Ausgabe: 2005/34, Grenzüberschreitung, Film, Riklis, Israel
23.08.2005
- Markus Vorauer
„Die syrische Braut“ – ein Film von Eran Riklis
Vielleicht ist die Grenze in den letzten Jahren der kinematographische Ort schlechthin, ein Zwischenreich, in dem Vergangenheit und Zukunft in eigentümlicher Weise im Moment des Übertritts einer Person in die andere Welt konvergieren. Der Verlust der Heimat, ob freiwillig oder nicht, erzeugt gerade in diesem bemerkenswerten Augenblick schon Nostalgie, während das ungewisse Fremde noch angstvoll erwartet wird. Nirgendwo wird dies deutlicher als in Israel, wo Eran Riklis die Geschichte einer komplizierten Hochzeitsvorbereitung situiert.
Mona (Clara Khoury) will den syrischen TV-Star Tallel (Derar Sliman) heiraten. Das Problem ist, dass sie in einem Drusendorf auf den von Israel annektierten Golanhöhen lebt und weiß, dass sie nie mehr in ihr Heimatdorf zurückkehren darf, wenn sie die Grenze nach Syrien überschreitet. Die Hochzeit wird zur Belastungsprobe für ihre Familie, wobei die Vorbereitung der bizarren Zeremonie am Checkpoint eigentlich nur die Folie für eine Geschichte über geographische, mentale und emotionale Grenzen bildet und wie man diese überbrücken kann. Die eigentliche Protagonistin ist Amal (Hiam Abbass), die Schwester der Braut, die aus den fundamentalistischen Traditionen, die von ihrem Vater und ihrem Ehemann vertreten werden, ausbrechen will. Im Stile eines Robert Altman gelingt Riklis ein vielschichtiges Familienporträt, das vor allem in der Charakterzeichnung der Frauenfiguren überzeugt. Ein sentimentaler, aufrichtiger, emotional sehr bewegender Film, der zur Grenzüberschreitung animiert und dabei eine „opsimistische“ Perspektive propagiert. „Opsimismus“ ist eine Wortkreation des Regisseurs, der behauptet, dass man nur mit einer Weltsicht, die Optimismus und Pessimismus vereinigt, in Israel überleben kann.