Ausgabe: 2005/42, Kommentar, Die Welt braucht Entschlossene, Hunger, Baumgartner,
20.10.2005
- Hans Baumgartner
Papst Benedikt nannte den Hunger von Millionen Menschen in der Welt einen der „größten Skandale“. Kardinal Rodriguez aus Honduras betonte bei seinem Besuch in Wien: „Die Bekämpfung der Armut ist ein menschliches Problem. Es fehlt am politischen Willen.“ Am politischen Willen der reichen Länder zu teilen und am Willen der politischen Klasse in vielen armen Ländern, ihre Kraft für das Gemeinwohl anstatt für die eigene Tasche einzusetzen.
Der Papst sprach vom Egoismus, der diese Welt in Arm und Reich, in Hungernde und Übersatte, in Machtlose und in Herrschende auseinander reißt. Ist das bloß eine typisch kirchliche, moralisierende Weltsicht, die geradezu naiv die globalen Wirtschafts- und Machtinteressen übersieht?
Vielleicht nennen wir es naiv, weil es so unbequem ist. Aber die christliche (Sozial-) Ethik hat immer beides im Blick: die persönliche Verantwortung des Einzelnen und seine Bekeh-rung und den Kampf gegen „sündhafte Strukturen“. Als Konsumenten haben wir es in der Hand, sorgsamer mit Energie umzugehen, den Greißler im Dorf leben zu lassen, biologische und fair gehandelte Produkte zu kaufen. Als Bürger/innen demokratischer Länder haben wir es auch in der Hand, die politischen Eliten herauszufordern, auch wenn das viel Kraft kostet. Aber es gibt die Ideen und die Netzwerke, die sich für eine gerechtere und menschenwürdigere Welt einsetzen. Aber ein noch so guter Marshallplan bleibt Papier, wenn nicht immer mehr Menschen dafür eintreten und die Zuschauerloge verlassen. Armut, Ungerechtigkeit und Gewalt sind keine Naturgesetze.