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Kurze Reise in ein hartes Land

Im Kaukasus, konkreter in Georgien und Aserbeidschan - traf Papst Franziskus auf ungewohnt schwieriges Terrain. Es war eine Reise in die ökumenische Tiefebene.
Ausgabe: 2016/40
04.10.2016
- Thomas Jansen/Kathpress
Zum Abschluss seiner zweiten Kaukasus-Reise hat Papst Franziskus am Sonntag einen Meilenstein im katholisch-islamischen Dialog gesetzt – gemeinsam mit dem Scheich der kaukasischen Muslime: In Aserbaidschans Hauptstadt Baku rief der Papst in der Heydar-Aliyev-Moschee zum Dialog der Religionen auf und verurteilte fundamentalistische Gewalt. Zugleich forderte er im Schatten eines 55 Meter hohen Minaretts vollständige Religionsfreiheit. Auch seine Zuhörerschaft war für eine Moschee ungewöhnlich. Außer dem Hausherrn, Großscheich Allahschükür Paschazade, und geistlichen Würdenträgern des Islam waren auch Vertreter des Judentums und der orthodoxen Kirchen gekommen.

Erstmals eine offizielle Rede


Es war das erste Mal, dass ein Oberhaupt der katholischen Kirche eine Ansprache in einer Moschee vor Muslimen, Juden und Christen hielt. Bereits Franziskus‘ Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hatten Moscheen besucht. Franziskus war in Istanbul und in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, in einer Moschee gewesen. Doch bislang fanden solche Besuche stets ohne offizielle Rede statt.

Ökumenische Tiefebene


Franziskus‘ dreitägige Reise nach Aserbaidschan und Georgien war jedoch auch eine Reise in die ökumenische Tiefebene. Die georgisch-orthodoxe Kirche erwies sich einmal mehr als äußerst schwieriger Dialogpartner. Mit der kurzfristigen Absage der offiziellen Delegation, die zum Gottesdienst mit dem Papst in Tiflis kommen sollte, brüskierte das georgisch-orthodoxe Patriarchat den Vatikan. Umso mehr, als dessen Sprecher Greg Burke die Teilnahme der Delegation als Premiere angekündigt hatte. Die Rede des Patriarchen Ilia II. war zwar freundlich im Ton, in der Sache blieb er jedoch hart. So war an ein gemeinsames Gebet nicht zu denken; es blieb bei der Formel „gegenseitiges Gebet füreinander“.
Papst Franziskus zeigte sich in Georgien als geduldiger Gesprächspartner und warb unbeirrt für den Dialog. Er bekräftigte sein ökumenisches Credo: Überlasst die theologischen Streitfragen den Fachleuten – Hauptsache, im Alltag gibt es freundschaftliche Kontakte und gemeinsames soziales Engagement.

Leere Ränge


Ausgerechnet in einem Fußballstadion machte der Fußballfan Franziskus in Tiflis eine wohl weniger angenehme Erfahrung: Er feiert einen Gottesdienst und kaum jemand geht hin. Franziskus predigte vor weitgehend leeren Rängen. Nur 3000 Gläubige waren gekommen, obwohl im Land insgesamt mehr als 100.000 Katholiken leben. Jubel und Applaus gab es für den Gast aus Rom von den anwesenden Katholiken nur in homöopathischen Dosen. Überhaupt war der Empfang im orthodox geprägten Georgien ebenso zurückhaltend wie im muslimisch geprägten Aserbaidschan. In beiden Ländern nahmen nur wenige Notiz vom Besuch des Papstes.

Politische Dimension


Franziskus kam nach eigenen Worten „als Pilger des Friedens“ in den Kaukasus. Dennoch hatte seine Reise nach Georgien und Aserbaidschan auch eine politische Dimension. Sein Aufruf zur Achtung der Souveränität der Staaten in der Region in Tiflis war auch ein Seitenhieb auf Russland. Denn Moskau hat in den von Georgien abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien völkerrechtswidrig Truppen stationiert. Zugleich forderte der Papst damit indirekt auch den Rückzug Armeniens aus der Region Berg-Karabach, die zu Aserbaidschan gehört. Franziskus sprach damit zwei Konfliktherde an, die in der Weltöffentlichkeit nahezu vergessen sind.
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