7. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr A), 4. Mai 2008
Ausgabe: 2008/18, Sonntag, Zwischen den Zeiten, Altvertrautes, Umbruch, Abschiednehmen, Neuanfang, Gottes Geist, Evangelium, Lesung, Hesse, Lioba Hesse, Tag des Wartens, Die Kraft meines Lebens, Psalm
30.04.2008
Wenn das Altvertraute nicht mehr und Neues noch nicht da ist – was ist zu tun in so einem Moment des Umbruchs, in einer Zeit des Abschiednehmens und Neuanfangs? Es ist das gemeinsame Leben und Beten, das die Jünger und Jüngerinnen Jesu – trotz Unsicherheiten und offener Fragen – in dieser Zeitenwende zusammenhält. Auf dass Gottes Geist komme.
Evangelium
Joh 17, 1–11a
Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.
1. Lesung
Apg 1, 12–14
Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.
2. Lesung
1 Petr 4, 13–16
Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt.
Die Kraft meines Lebens
Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? [. . .] Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich: Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
AUS: Psalm 27
Wort zum Sonntag
Tage des Wartens
Als die Jünger/innen Jesu nach Jerusalem zurückkommen, gehen sie nicht in den Tempel. Sie kehren auch nicht in ihre gewohnten Häuser und zu ihren Alltagsgeschäften zurück, sondern ziehen gemeinsam in einen Raum ein – so erzählt uns die Apostelgeschichte. Die junge Gemeinde: eine Handvoll sehr verschiedener Frauen und Männer ohne ihr Bindeglied Jesus, der nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt nicht mehr wie früher bei ihnen ist. Nach intensiven Zeiten müssen sie sich neu sortieren, sich ihren Ängsten und Fragen stellen, sich vielleicht ihr „Nicht-mehr-Weiterwissen“ eingestehen und ihre Berufung, nämlich „Zeugen zu sein bis an die Enden der Erde“, klären. Doch wie und wo anfangen, wenn vieles zur Frage wird, wenn eingepflanzte Hoffnung und erlebte Wirklichkeit so wenig zusammenklingen?
Das Auffallende: Jesu Jünger/innen verzweifeln nicht, sie verfallen nicht in hektische Aktivitäten, sie laufen auch nicht auseinander oder kehren aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen einander den Rücken zu. Nein, sie bleiben beieinander, halten es miteinander aus und beten einmütig. In aller Verschiedenheit eines Mutes zu sein, die gleiche Gesinnung, den gleichen Wunsch zu haben – das verbindet sie. Das Gebet wird in diesen Tagen des Wartens und der Unsicherheit zur Brücke. Offenbar braucht es das gemeinsame Leben und Beten in einer Zeitenwende, auf dass Gottes Geist kommen kann.
Wir durchleben in unserer aktuellen, kirchengeschichtlichen Zeit hierzulande eine solche Zeitenwende. Wir müssen uns von volkskirchlichen Strukturen und pastoralen Selbstverständlichkeiten immer mehr verabschieden. Das Alte ist nicht mehr, und das Neue noch nicht gefunden! Die junge Gemeinde von Jerusalem macht uns ein Lern- und Bewegungsangebot: beieinander bleiben, beten, aktiv warten!
Zum Weiterdenken
Wo finde ich Menschen und einen Ort für meine Fragen, Ängste, Unsicherheiten, Hoffnungen? Glaube ich an die Kraft des Gebets in einer kirchlichen Lebensphase zwischen den Zeiten – persönlich und gemeindlich?
Lioba Hesse
tätig in Ausbildung und Berufsvorbereitung für die Laientheolog/innen der Diözese Feldkirch und als Erwachsenenbildnerin.