Gott schaut beim Heilen nicht auf die Herkunft. Ob das nun der Mann aus Samarien
ist oder der Syrer Naaman. Und bei beiden geht die Heilung der Umkehr voraus:
Nicht erst weil der Mensch umkehrt oder gute Taten anhäuft, heilt Gott; sondern
weil Gott heilt, wird für den Menschen die Umkehr möglich.
Ausgabe: 2016/40
04.10.2016
Wort zum Sonntag
Heimat in der Fremde
Das zweite Buch der Könige erzählt uns eine interessante Geschichte, die an Aktualität nicht zu überbieten ist. Der Syrer Naaman wird vom Propheten Elischa an den Jordan geschickt, um sich dort siebenmal unterzutauchen und vom Aussatz geheilt zu werden. Dass er diesen Auftrag nur zögerlich angeht, erschließt sich uns, wenn wir das ganze Kapitel lesen, was sehr aufschlussreich ist. Der kranke Körper des Naaman wird so rein wie der Leib eines Knaben. Dieses Heilungswunder bewegt ihn dazu, dem Propheten alles anzubieten, was er an Gold, Silber und Festkleidern mit sich trägt. Doch der Prophet lehnt ab. Die darauffolgende Bitte des Naaman ist ungewöhnlich: Schenke mir so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können. Wozu braucht Naaman diese Erde? Es ist kein Heilwasser, das er erbittet. Es ist auch keine Heilpflanze, die er mitnehmen möchte, nein, es ist ganz gewöhnliche Erde. Er bittet um fremde Erde, die er in seine Heimat mitnehmen möchte. Üblicherweise geschieht es umgekehrt. Nicht selten nehmen Menschen Heimaterde mit in die Fremde. Die erbetene Erde steht für ihn für den Segen, den er in der Heimat nicht bekommen konnte und der ihm jetzt in der Fremde zuteil wurde. Es kann einem das Fremde oder die Fremde zum Segen werden, von dieser Einsicht weiß die Bibel vielfach zu berichten. Naaman will künftig den Gott Israels ehren, von dem es heißt, dass er den Fremden liebt und ihm deshalb Nahrung und Kleidung gibt (Dtn 10,18). Aber dieser Gott geht noch weiter, er heilt den Fremden auch. Nicht nur für Naaman wird deutlich: Wer sich auf den Gott Israels einlässt, dem kann sogar die Fremde zur Heimat werden.
Zum Weiterdenken
Wo bin ich fremd und bedarf der Heilung? Kann ich etwas ganz Konkretes zur Heilung anderer beitragen?
28. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr C, 9. Oktober 2016
Evangelium
Lukas 17, 11–19 Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns. Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.
1. Lesung
2 Könige 5, 14–17 So ging er (Naaman, der Syrer) also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann (Elischa) befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein von seinem Aussatz. Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! Elischa antwortete: So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brandopfer und Schlachtopfer darbringen als dem Gott Israels allein.
2. Lesung
2 Timotheus 2, 8–13 Denk daran, dass Jesus Christus, der Nachkomme Davids, von den Toten auferstanden ist; so lautet mein Evangelium, für das ich zu leiden habe und sogar wie ein Verbrecher gefesselt bin; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt. Das alles erdulde ich um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus und die ewige Herrlichkeit erlangen. Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.