Ich will Lebensfreude schenken, sagt Raffaela Janetschko, und sie meint es ernst. Vor drei Jahren wurde sie vom Verein Down-Syndrom OÖ eingeladen, einen Zumba-Tanzkurs zu halten. Das Hobby wurde zur Berufung.
Ausgabe: 2016/40
04.10.2016
- Christine Grüll
„Wie geht‘s uns?“, ruft Raffaela Janetschko in den Saal. „Gut!“, tönt es zurück durch das rhythmische Stampfen der Pop-Musik, die aus dem Lautsprecher dröhnt. 15 junge Männer und Frauen wiegen die Hüften, strecken die Arme nach oben, ein Bein nach vorne, zur Seite, laufen zur Raummitte und hüpfen wieder zurück. Die einen ernst und konzentriert, die anderen lachend. Zumba heißt der Tanz, eine Mischung aus Aerobic und lateinamerikanischen Tänzen. Seit drei Jahren leitet Raffaela Janetschko den Kurs im Pfarrheim Linz-Urfahr. Zur Freude ihrer Fans – und zu ihrer eigenen.
Pilgerweg und Power-Tanz
„Zumba ist mehr als Tanz und Fitness, es ist Lebensfreude“, sagt die Kunstwissenschafterin – und strahlt das auch aus. Studiert hat sie an der Katholischen Privat-Universität Linz. In München, Dresden und London hat sie sich zur Zumba-Trainerin ausbilden lassen. Tanzen ist ein Ausdruck ihres positiven Lebensgefühls, eine Art Instrument, ihre Lebensfreude an andere weiterzugeben. Das kann schon einmal zu einem kurzen Motivationstanz führen, mit dem sie Pilgernde auf dem Jakobsweg aufgemuntert hat. Oder zu einem langfristigen Engagement als Trainerin. Der Kurs soll regelmäßig stattfinden, das ist Raffaela Janetschko wichtig. Auch als sie ein Jahr lang in einer Galerie in Zell am See gearbeitet hat, pendelte sie für einen Tag mit dem Zug nach Linz. Mittlerweile kommen bis zu 20 Tanzwillige.
Tanzpause mit Turnübung
Heidi Gräf ist von Anfang an dabei. Sie kennt die Musikstücke genau und nickt lachend, wenn eine ihrer Lieblingschoreografien beginnt. Durch das Tanzen hat sich ihr Gleichgewichtssinn stark verbessert, erzählt Heidi in einer Tanzpause. Währenddessen zeigen die anderen Tänzerinnen und Tänzer Fotos, vertiefen sich in ihre Mobiltelefone oder schwärmen vom Urlaub in Griechenland. Doch kaum erklingt das nächste Lied, sind alle konzentriert bei der Sache.
Vertrauen erarbeiten
„Ich möchte, dass die jungen Leute ihre freundschaftlichen Beziehungen pflegen können“, meint Raffaela Janetschko, als alle abgeholt worden sind. Nur Thomas Schmollmüller wartet noch auf den Wagen des Samariterbunds, der ihn heimbringen wird. „Das Vertrauen muss man sich erarbeiten“, sagt die Trainerin. Damit hat sie Erfahrung. In der Pfarre war sie für die Jungschar verantwortlich, Ministrantin bis zu ihrem 20. Lebensjahr und acht Jahre lang im Pfarrgemeinderat. „Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag“, lautet ihr Motto. Thomas lächelt nicht, als er sich verabschiedet. Aber er wird auch nächstes Mal mit Begeisterung dabei sein.