Deutlich mehr Besucher/innen als erwartet nahmen am 97. deutschen Katholikentag teil. Bis zu 60.000 Menschen kamen täglich zu den Veranstaltungen in das Zentrum von Osnabrück. Häufig überfüllt waren die Gottesdienste.
Unübersehbar waren die geistlichen Veranstaltungen die Renner auf dem Katholikentreffen. Doch spirituell ist nicht gleich spirituell: während beim „politischen Nachtgebet“ eine kleine Kirche gut besetzt war und die Gläubigen himmelschreiende Ungerechtigkeiten im Kongo und in Brasilien ins Gebet nahmen, platzte zur selben Zeit eine Autobusgarage aus allen Nähten: 4000 Jugendliche waren zum Gebet bei Kerzenlicht mit den Brüdern aus Taizé gekommen. Obwohl sich die beiden Veranstaltungen in der Absicht „das Leben vor Gott zu bringen“ ganz nahe waren, scheint doch die Taizé-Form zurzeit dem Lebensgefühl von jungen Menschen mehr zu entsprechen als ein Gebet, das auch vor der politischen Analyse nicht zurückscheut. Eine Erfahrung, die man im Pfarralltag selten bis nie hat, konnte man am Katholikentag hingegen oft machen: Helfer mussten Interessierte am Betreten von Gotteshäusern hindern. „Kirche überfüllt“ war der Grund.
Linz am Katholikentag. Der Katholikentag wurde auch zu einem riesigen Diskussionsforum über die Zukunft der Kirche in Zeiten des Priestermangels. Jede Diözese plagt sich zur- zeit mit einem Zukunftsprozess. Die Konzepte der Bistümer gehen in sehr unterschiedliche Richtungen und in völlig verschiedenem Tempo. Bei einer Podiumsdiskussion mit dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, kam auch das „Linzer Modell“ der Seelsorgeteams ins Gespräch: dass – wie in Oberösterreich seit Jahren praktiziert – ehrenamtliche Laien an der Pfarrleitung teilhaben, wurde als vorbildliche Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft gesehen.