Es gibt kaum asphaltierte Straßen, Krankenhäuser und Schulen sind in einem desolaten Zustand, der Staat lässt das an Rohstoffen reiche Land verkommen. Diesen Eindruck erweckt ein Lokalaugenschein in der Demokratischen Republik Kongo. Ordensgemeinschaften kümmern sich um jene, die auf der Strecke bleiben: Kinder und Jugendliche ohne Familien, ohne Zuhause.
Holprige, großteils unasphaltierte Straßen im Kongo prägen das Bild in den Städten und Dörfern. Löcher mit einem Höhenunterschied von bis zu einem halben Meter machen es schwer, schnell von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Tägliche Schul- und Arbeitswege kosten daher oft bis zu drei Stunden Gehzeit. „Zeit ist hier ein sehr dehnbarer Begriff”, erklärt Caritas-Mitarbeiterin Susanne Hack von der Auslandshilfe. Sie ist Mitte Mai mit einer neunköpfigen Delegation aus Österreich in den Kongo gereist, um Sozialprojekte der Caritas und des Landes Oberösterreich zu besuchen.
Leben auf der Straße. Erde, Lehm, Staub werden nun am Beginn der Trockenzeit beim Fahren aufgewirbelt. Den Passanten am Straßenrand scheint es wenig auszumachen. Hunderte, Tausende bewegen sich neben den Straßen. Gelebt, gelacht, getanzt, gegessen wird im Freien. Waren aller Art werden von Erwachsenen und Kindern feilgeboten: Taschentücher, Zigaretten, Benzin, Kleidung, Obst. Mit ein paar Dollar Einkommen täglich versuchen die Menschen, sich und ihre Familien durchzubringen. Reguläre Arbeitsverhältnisse sind rar oder schlecht bezahlt. Ein Lehrer im Staatsdienst verdient 20 bis 30 Dollar monatlich, zum Leben braucht er an die 230 Dollar. Der Staat kümmert sich seit Jahrzehnten weder um den Ausbau der Straßen, noch um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung, auch die öffentlichen Schulen sind in einem desolaten Zustand. Es fehlt an Schulbänken, Büchern, Sanitäreinrichtungen.
Kinder ohne Familien. Die schlechte wirtschaftliche Lage im Land und die fehlende Infrastruktur treibt die kinderreichen Familien – durchschnittlich gibt es 6,7 Kinder pro Familie – in die Armut. Viele Kinder werden von ihren Familien weggeschickt oder laufen von zu Hause fort. Immer öfter kommt es vor, dass Familienangehörige ihr Kind als „Hexe“ bezeichnen und vertreiben. Diese Kinder werden für Unglück und Krankheit verantwortlich gemacht und mit ihrem Schicksal alleine gelassen. Genau hier setzt die Hilfe kirchlicher Einrichtungen an.
Sichere Unterkunft. In der Stadt Lubumbashi bieten die Salesianer Don Boscos über 2000 Straßenkindern eine sichere Unterkunft und Betreuung je nach Bedarf. Von einer Schlafstelle für die Nacht bis zu einem Platz im Internat, von der notwendigen medizinischen Betreuung bis zur Möglichkeit, die Schule zu besuchen und einen Beruf zu erlernen, reicht das vielfältige Angebot der Salesianer im „Zentrum Bakanja“. Jugendliche werden als Tischler, Maurer, Schuster, Elektriker und Schweißer ausgebildet und auch nach ihren Lehrjahren begleitet. Für drogenkranke Kinder wurden zwei Häuser geschaffen: Dort werden 16 Buben in Gruppen betreut. Da die Drogenprobleme zunehmen – das Schnüffeln mit Klebstoffen und die Einnahme von Beruhigungstabletten zählt zu den häufigsten Formen des Drogenmissbrauchs –, wird nun ein drittes Haus errichtet. Im „Nachtasyl” mitten in der Stadt haben Kinder, die zur Zeit nicht bei ihren Familien leben können, die Möglichkeit, von 21 Uhr abends bis 8 Uhr morgens in einer geschützten Umgebung zu schlafen, zu essen und ihre Kleider zu waschen. „Das jüngste Kind, das wir auf der Straße aufgefunden haben, war erst vier Jahre alt“, berichtet Pater Eric.
Jede/r kann kommen. Die Don-Bosco-Schwestern unter der Leitung von Sr. Hildegard Litzlhammer aus Eggerding und die Salesianer betreuen mehrere Krankenstationen, Schulen, Lehrwerkstätten und Straßenkinder-Häuser. Nach dem Glaubensbekenntnis wird hier niemand gefragt, wenn er oder sie Hilfe braucht: „Zu uns kann jeder kommen – egal welchen Glauben er oder sie hat”, erklärt Pater Eric aus Belgien. Die Caritas unterstützt die wertvolle Arbeit seit 1999, das Land Oberösterreich schießt Fördergelder zu.
Sarah (li.) ist 13 Jahre alt und lebt im Straßenkinderhaus „Mazarello“. Cowboy Philippe (re.) hat im „Zentrum Bakanja“ ein neues Zuhause gefunden. In einer Schulklasse (unten) werden bis zu 70 Kinder unterrichtet.
Kinder unterstützen
Im Straßenkinder-Dorf „Mazarello“ in Kinshasa leben 50 Straßenkinder, die von den Don-Bosco-Schwestern und ihrem Team betreut werden. Mathilde (Bild unten) ist mit 10 Jahren in das Straßenkinderhaus gekommen. Nach dem Tod ihrer Eltern wollten sie ihre Verwandten nicht aufnehmen. Sie wurde im Straßenkinderhaus „abgegeben“. Heute ist sie 17 Jahre alt und lebt im Internat bei Sr. Hildegard in Kinshasa, einer Stadt mit 9 Millionen Einwohnern. Im „Cafe Mozart“, das Mädchen die Ausbildung zu Kellnerinnen, Bäcker- und Konditormeisterinnen ermöglicht, hat sie einen Ausbildungsplatz gefunden. „Ich habe ein Dach über dem Kopf, mir fehlt nichts – und ich habe viele Freundinnen“, sagt sie. Mathilde, Sarah und Philippe: Sie alle sind Kinder, die auf der Straße gelebt haben oder von ihren Verwandten plötzlich vor die Tür gesetzt wurden. In den Straßenkinder-Dörfern haben sie ein neues Zuhause gefunden. Mit Patenschaften können diese Kinder besonders unterstützt werden.