Die Lange Nacht der Kirchen zeigte ihre vielen Gesichter.
Ausgabe: 2008/23, Kirchen, Lange Nacht, Vöcklabruck, Linz, Steyr, Kirchenlandschaft
04.06.2008
Gregorianischer Choral ist nicht nur in der Hitparade ein Renner. Bei der Langen Nacht der Kirchen zogen meditative Gesänge und religiöse Popsongs die Menschen an. 20.000 Besucher/innen strömten durch die Kirchenlandschaft von Linz, Steyr und Vöcklabruck.
Zuhören und Ruhe finden oder im Rhythmus der Pfarrband mitschwingen: das vielfältige Programm während der Langen Nacht bot die Möglichkeit zur Einkehr und lud zum Mitklatschen ein. Dazwischen gab es Baustellenführungen, einen Gang durch Linzer Krypten, Beichtstühle zum Anschauen, ein Kinderprogramm und jede Menge musikalische Kostbarkeiten. Auch Theater und Literatur waren gut vertreten. Zahlreiche Beiträge kamen von jenen Menschen, die auch sonst im Alltag das Pfarr- und Kirchenleben aktiv mitgestalten.
Nacht der Kirchenschwärmer
Die Lange Nacht der Kirchen zieht von Jahr zu Jahr mehr Menschen an: Rund 20.000 Besucher/innen gingen am 30. Mai – einem lauen Frühsommerabend – in Linz, Steyr, Vöcklabruck, St. Marien und St. Florian von Kirche zu Kirche.
„Das habe ich mir jetzt aber ganz genau angeschaut“, sagt ein Mann, etwa Mitte dreißig. Er zeigt auf den Beichtstuhl mit geöffneten Türen: „Da war ich schon lange nicht mehr drin.“ Die Linzer Jesuiten haben nicht nur ihre Kirche, den Alten Dom, geöffnet, sie lassen auch tiefer blicken: hinein in einen Beichtstuhl. Kaum ein Kirchenbesucher, der daran vorbeigeht und nicht hineinschaut – manche huschen sogar ein wenig verstohlen vorbei. Die Jesuiten stellen in ihrer Kirche Statuen, Bilder und Texte zur Herz-Jesu-Verehrung aus und zeigen, dass diese Frömmigkeitsform nicht kitschig sein muss, sondern auf die Mitte des Glaubens zielt: Die Texte von Karl Rahner, die P. Andreas Batlogg SJ in der von Kerzen erleuchteten Kirche liest, sind ein untrüglicher Beweis dafür. Welche Kirche auch immer man betritt, Kerzenlicht oder meditative Musik – am besten beides – garantieren, dass sich eine Schar Menschen im Gotteshaus befindet. Die evangelische Martin-Luther-Kirche ist beim Taize-Abendgebet voll und beim anschließenden Gospel und Spiritual-Konzert geht sie über.
Programmheft baut Brücken. Nicht nur in den Kirchen, auch vor den Gotteshäusern und in den Straßen ist in der Innenstadt von Linz „Kirchenatmosphäre“ zu spüren. Das pinkfarbene Programmheft, das viele Passanten/innen in der Hand halten, gilt als Erkennungszeichen: da ist auch ein Kirchen-Nachtschwärmer, eine Kirchen-Nachtschwärmerin unterwegs. Die handtellergroße Broschüre regt zum Grüßen ansonsten fremder Leute an und vom selbstverständlichen Weiterhelfen, wenn man einen Veranstaltungsort sucht, gar nicht zu reden.
Ökumenische Gastfreundschaft. Von Anfang an ist die Lange Nacht der Kirchen einen ökumenische Initiative. Eine Selbsverständlichkeit, die dennoch bedenkenswert ist. So begrüßt Dompfarrer Maximilian Strasser, der beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst Diözesanbischof Ludwig Schwarz vertritt, mit den Worten: „Die Lange Nacht der Kirchen gewährt Gastfreundschaft und teilt etwas mit vom gemeinsamen Glauben. Vielleicht ermöglicht sie auch ein Stück Einkehr bei sich selbst.“Als um 23 Uhr die „Abendoase“ im Mariendom mit einem stillen Einzug beginnt, haben sich noch hunderte Menschen vor dem Hauptportal versammelt, um den Tag – bei Kerzenlicht, Musik und Gebet – ausklingen zu lassen.
Vöcklabruck: Weit über die Nacht hinaus
Lucia Egger war für die KirchenZeitung durch Vöcklabruck unterwegs und hat bei den Franziskanerinnen Station gemacht: In der Kapelle des Alten- und Pflegeheimes St. Klara liest Sr. Agnes aus den Briefen von Franz Jägerstätter. Die Worte entführen in die Zeit des Nationalsozialismus. In den Bänken rutschen Paare näher zueinander, Hände berühren sich. Viele suchen dann nach der aufwühlenden Lesung Ruhe bei einem kurzen Spaziergang durch den Klostergarten, vorbei an Blüten in lila, rot und gelb. Nur von Kerzen erleuchtet bietet „Die Stille Kirche“, die Kapelle im Mutterhaus der Franziskanerinnen, die Chance das Gehörte zu verarbeiten. Jägerstätters Briefe begleiten viele über den Abend hinweg und weit über diese Nacht hinaus.
Steyr: Blick in nur selten zugängliche Räume
Die „Bummerlhauskapelle“, die nur über das VKB-Geldinstitut zugänglich ist, hat viele Interessierte angezogen, aber auch die Anbetung in der Bruderhauskirche hat die ganze Zeit hindurch Beter/innen angezogen. Als Publikumsmagnet erwies sich die evangelische Kirche, die ganz auf Gesang setzte. Die Mitarbeiter/innen der Langen Nacht in Steyr waren selbst von der Stimmung so begeistert, dass sie schon Pläne für das kommende Jahr schmiedeten.