Lärm weicht der Ruhe. Hektik der Stille. Wer einen Wald betritt, erlebt die Welt anders. Tiefer, geheimnisvoller. Voll Leben. Statt der Kurzatmigkeit des Alltags lässt sich Luft in tiefen Atemzügen schöpfen. Da sind die Firmlinge, die bei ihrer Vorbereitung das Leben behinderter Jugendlicher kennengelernt haben. Da ist die Bäuerin aus dem Mühlviertel, die vor einer bescheidenen afrikanischen Hütte mit den dortigen Frauen Hirsebrei mit den Fingern gegessen hat. Da ist der Zivildiener, der fast ein Jahr in einem Asylantenheim mit Menschen zusammen war, die nicht wissen, wo sie im nächsten Jahr leben werden. Eintauchen in eine andere Welt. Mitfühlen, wie andere Menschen leben, womit sie zu ringen haben. Das tut auch Menschen gut, für die die Atemluft in der Kirche stickig geworden ist. Wo die tiefe, die kräftige Atemluft des wirklichen Lebens weht, dort sind die entscheidenden Orte der Kirche: Eher bei den Lebensgeschichten der Heiligen als bei den Biografien der Prominenz. Eher im Mut und sogar Übermut als bloß im Gehorsam. Zuerst im Alltag, dann am Sonntag. Wem die Atemluft in der Kirche zu verbraucht erscheint, der sollte etwas wie einen Waldspaziergang machen – nur dass es Menschen – nicht Bäume sind.