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„Den Kroaten drücke ich noch mehr die Daumen“

Der gebürtige bosnische Kroate und Linzer Pfarrer Mag. Zarko Prskalo ist begeisterter Fußballfan
Ausgabe: 2008/23, Thema, Fußball, Prskalo, Linz-Christkönig, Kroatien, Herbert Sojka, Rückwärtsspiel, EM, Europameisterschaft, Bosnien, Nationalbewusstsein, Österreich, EM-Favorit, Nationalfahne, Polen, Vaterland
04.06.2008


Fußball ist seine große Leidenschaft. Der Kick mit der Pfarrjugend gehört zu den wöchentlichen Fixpunkten für Mag. Zarko Prskalo (38), Pfarrer von Linz-Christkönig. Prskalo ist es außerdem ein Anliegen, möglichst viele Priester mit seiner Begeisterung für’s Fußballspielen anzustecken. „Es ist sehr schade, dass Fußball oft von der Kirche abgelehnt wird“, betont der sportliche Priester. („Ich mag eigentlich jeden Sport, alles außer Wintersport.“) Prskalo organisiert zahlreiche Turniere mit geistlicher Beteiligung und hat von 1991 bis 1997 die Priesterseminarmannschaft von Linz trainiert. Der Priester ist als Spieler universell einsetzbar und spielt dort, wo er gerade besonders gebraucht wird, egal ob im Angriff oder in der Verteidigung. Zarko Prskalo wurde in der heute geteilten Stadt Gornji Vakuf/Uskoplje in Bosnien geboren. Der bosnische Kroate lebt seit Beginn seines Theologiestudiums 1989 in Österreich.
Zarko Prskalo fiebert schon dem Beginn der Europameisterschaft entgegen, wenn Österreich gegen Kroatien antritt. Im Interview erzählt er, wieso er etwas mehr zu den Kroaten hält und was er an Nationalfahnen am Auto gut findet.

Wer ist ihr persönlicher Favorit auf den EM-Titel?
Mich würde es freuen, wenn Portugal oder Tschechien die Meisterschaft gewinnen. Heimlich wünsche ich mir, dass Kroatien möglichst weit kommt. Und natürlich auch Österreich.

Kroatien wird von vielen als Geheimfavorit gehandelt.
Ach, die sind immer Geheimfavorit. Das ist wegen dem dritten WM-Platz 1998 so, aber das war eine andere, einmalige Mannschaft, die sogar Weltmeister hätte werden können. Die Erfolge von damals wurden seither nicht mehr wiederholt.

Was trauen Sie den Kroaten dann zu?
Das Viertelfinale, mit Glück und unter Umständen auch ein Weiterkommen ins Halbfinale, aber ich fürchte einfach, dass Kroatien schlecht abschneidet. Gerade in Österreich, wo so viele Fans hier sind und der Druck auf die Mannschaft dadurch sehr groß ist. Die Kroaten sind nur gut, solange man von ihnen wenig erwartet. In der EM-Qualifikation haben sie vermeintlich überlegene Mannschaften geschlagen, wie zum Beispiel England.

Das spricht ja sehr für Kroatien...
Aber gegen Mazedonien haben sie verloren.

Ein Ausrutscher …
(lacht) Und gegen Malta nur unentschieden gespielt. Das sind Mannschaften, die zum Beispiel Deutschland mit 10:0 vom Platz fegt.

Sind die Chancen von Kroatien geschmälert, weil Schlüsselspieler Eduardo Ende Februar verletzt ausfiel?
Natürlich ist das ein Riesenverlust. Eduardo hat insgesamt zehn Tore bei der EM-Qualifikation geschossen. Wir müssen uns aber jetzt einfach auf das konzentrieren, was wir haben. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Beginn der Euro.

Wo werden Sie das Eröffnungsspiel Österreich–Kroatien anschauen?
Das Spiel schauen wir gemeinsam in der Pfarre an. Ich schätze, dass so zwei- bis dreihundert Leute kommen. Eine große österreichische Fahne haben wir dafür schon. Kroatische Fahne habe ich bisher nur eine kleine, vielleicht schaffen wir noch rechtzeitig, eine große aufzutreiben.

Zu wem halten Sie?
Ganz ehrlich, ich hätte nichts dagegen, wenn Österreich weiterkommt. Aber ich halte mehr zu den Kroaten. Nicht weil mein Herz mehr kroatisch schlagen würde. Ich liebe beide Länder. Für Kroatien drücke ich die Daumen noch mehr, weil sie realistisch betrachtet die besseren Aussichten haben. Mich würde es genauso freuen, wenn Österreich ins Halbfinale oder Finale kommt. Ich freue mich über jedes gute Spiel der Österreicher.

Was lässt Sie persönlich an den Österreichern zweifeln?
Ich ärgere mich immer, wenn Sie ihr Rückwärtsspiel betreiben. Kaum sind sie bei der Hälfte, spielen sie den Ball zurück. Das ist ja kein Fußball. Mir hat es besser gefallen, wie die Österreicher unter Otto Baric (Anmerkung: Teamtrainer der Österreicher in den Neunzigerjahren) gespielt haben. Da haben Sie super gekämpft und viele Tore geschossen.

Mit kroatischem Know-how ist es besser gegangen?
Ja, offensichtlich.

Was sagen Sie dazu, dass der kroatisch-stämmige Ivica Vastic ins Team einberufen wurde?
Ich find’s sehr gut, weil Vastic ein Beißer ist, er ist sicher kein altes Eisen. Dass man ihn gut brauchen kann, hat er beim LASK bewiesen.

Vastic wurde ja 1998 durch ein WM-Tor vom Boulevard zum „echten“ Österreicher erklärt.
Fußball hat viel mit Nationalgefühl zu tun.

Ist Fußball eine gute Möglichkeit, diese Gefühle auszuleben?
Grundsätzlich bin ich gegen jede extreme Art von Nationalismus. Aber Nationalgefühl ist etwas anderes, das heißt für mich Liebe zu den Menschen und zur Heimat. Das Nationalismusproblem ist dagegen ein Identitätsproblem. Menschen, die Probleme mit ihrer eigenen Identität haben oder perfektionistisch veranlagt sind, müssen andere Menschen oder Identitäten abwerten, damit sie sich selber gut oder besser vorkommen. Bei entwickelten Persönlichkeiten besteht dieses Problem nicht. Für die ist Fußball vor allem ein schönes Spiel.

Sind die Österreicher zu wenig patriotisch?
Ja, unbedingt, das geht mir bei den Österreichern sehr ab. Mir persönlich gefällt das französische, italienische oder kroatische Nationalbewusstsein, und das wünsche ich mir auch für Österreich.

Viele Österreicher beflaggen jetzt ihre Autos mit der Nationalfahne.
Das ist super. Man muss zu seinem Land stehen, das heißt ja nicht, dass man immer alles super und goldig finden muss. Man kann und soll durchaus auch kritisch sein.

Wie weit trägt Fußball zur Völkerverständigung bei? Oder ist diese Vorstellung überhaupt zu romantisch?
Er ist verbindend, im Sport herrscht im Prinzip ein erklärter Friede, auch wenn es manchmal Ausschreitungen gibt. Sport und Fußball haben sich aber immer davon distanziert. Natürlich wird Sport instrumentalisiert; Religion oder auch Musik kann aber genauso missbraucht werden.

Sie sind bosnischer Kroate. Welche Gefühle haben Sie, wenn Bosniens oder auch Serbiens* Fußballnationalmannschaft spielt?
Wenn sie spielen, merke ich, dass ich dem nachhänge. Es war meine Heimat, ich bin in Jugoslawien aufgewachsen. Das waren für mich Bundesländer, abgesehen von dem extremen Nationalismus und allem was passiert ist. Ich liebe diese Länder und ich freue mich, wenn sie gewinnen.

Interview: Paul StützAnmerkung: Bosnien und Serbien haben sich nicht für die EM-Endrunde qualifiziert.





Spielplan


Die Gruppe der Österreicher

Österreich spielt in der Vorrunde in der Gruppe B gegen Kroatien, Polen und Deutschland. Das erste Spiel in der Gruppe B und das erste Spiel, das Österreich in dieser EM bestreiten muss, ist gegen Kroatien. Das Spiel findet am Sonntag, dem 8. Juni 2008 um 18 Uhr im Wiener Ernst-Happel-Stadion statt. Um 20.45 Uhr beginnt in Klagenfurt dann das zweite Spiel der Gruppe B Deutschland – Polen. Der zweite Spieltag in Gruppe B ist der Donnerstag, 12. Juni: Kroatien – Deutschland in Klagenfurt (18 Uhr). Österreich – Polen (20.45 Uhr) in Wien.
Am Montag, 16. Juni trifft Österreich in Happel-Stadion um 20.45 Uhr auf seinen großen Erzrivalen Deutschland.
Zeitgleich steigt in Klagenfurt das Spiel Kroatien – Polen.
Die Bilanz der Österreicher ist gegen alle drei Gruppengegner negativ. Gegen Kroatien gab es in drei Spielen drei Niederlagen, gegen Polen feierte man in sieben Spielen bei vier Niederlagen immerhin drei Siege. Gegen Deutschland setzte es in 33 Spielen bei acht Siegen und sechs Remis gleich 19 Niederlagen.

EM-Tipp

Pfarrer Zarko Prskalo gibt für die KirchenZeitung einen Tipp über den Verlauf der Vorrunde ab: „Ich glaube, Kroatien gegen Österreich geht unentschieden aus. Bei Polen gegen Österreich schließe ich einen Sieg der Österreicher nicht aus“. Bei den weiteren Kroatienspielen befürchtet er, dass Polen und Deutschand gewinnen. Und bei Deutschland gegen Österreich? Prskalo: „Ui, das wird emotional. Deutschland wird am Ende wohl überlegen sein“.



Polen


„Vaterland gegen Heimat spielt 2:1“

Mag. P. Herbert Sojka (49), Pfarrer von St. Georgen/Grieskirchen, stammt aus Bytom in Polen. Der bekennende Fußballfan („ganz fanatisch bin ich aber nicht“ ) lebt seit 1986 in Österreich. „Vielleicht übersteht Polen die Vorrunde“ ist Sojka vorsichtig optimistisch. Und entspannt: „Ein vorzeitiges Ausscheiden ist für mich keine Tragödie“. Dass Polen, das neben Österreich der zweite EM-Debütant ist, im letzten Vorbereitungsspiel gegen Dänemark nur 1:1 gespielt hat, sagt für den Geistlichen wenig aus: „In der Vorbereitung zeigt man nicht alles.“ Für Polen spreche besonders die individuelle Stärke, meint der Pater.
Herbert Sojka wird sich das Spiel Österreich – Polen, das am 12. Juni stattfindet, wahrscheinlich gemeinsam mit einer Schulklasse anschauen. „Ich halte eine Hälfte zu Polen, die andere zu Österreich“, meint er augenzwinckernd. Wie das Spiel ausgeht? „Ich tippe 2:1 für Polen, 2 Tore für Polen, weil es mein Vaterland ist und 1 Tor für Österreich, weil es meine Heimat ist.“


„Die Polen sind individuell sehr stark“, sagt Pfarrer Mag. P. Herbert Sojka.
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