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Liebe will ich, nicht Gottesdienste

10. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 8. Juni 2008
Ausgabe: 2008/23, Sonntag, Schachinger, Gottesdienste, Liebe, 10. Sonntag im Jahreskreis, Hosea, Gebete, Umkehrbereitschaft, Gesunde, Kranke, Arzt, Randgruppen,
04.06.2008
Zornig schleudert Hosea seine Worte heraus. Wie eine Wolke am Morgen, wie der Tau sei die Liebe der Menschen. Kaum gehe die Sonne auf, sei alles lebensspendende Nass weg, nichts könne mehr wachsen und gedeihen. Jesus sagt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Wie würden Hosea, der Prophet, und Jesus heute sprechen? Liebe will ich, nicht lange Gottesdienste, Gotteserkenntnis statt vieler Gebete? Ja, es braucht sie, die Gottesdienste und Gebete. Ja, die Gläubigen sollen Gottes Gebote leben – aber erst Barmherzigkeit und Nächstenliebe sind wie der Regen, der die Saat wachsen lässt.


1. Lesung


Hos 6, 3–6

Lasst uns streben nach Erkenntnis, nach der Erkenntnis des Herrn. Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt. Was soll ich tun mit dir, Efraim?
Was soll ich tun mit dir, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht. Darum schlage ich drein durch die Propheten, ich töte sie durch die Worte meines Mundes. Dann leuchtet mein Recht auf wie das Licht. Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.


2. Lesung


Röm 4, 18–25

Gegen alle Hoffnung hat er (Abraham) voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast Hundertjährige, sich bewusst, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß erstorben waren. Er zweifelte nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, und er erwies Gott die Ehre, fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt zu tun, was er verheißen hat. Darum wurde der Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Doch nicht allein um seinetwillen steht in der Schrift, dass der Glaube ihm angerechnet wurde, sondern auch um unsretwillen; er soll auch uns angerechnet werden, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat. Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.


Evangelium


Mt 9, 9–13

Als Jesus weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Matthäus auf und folgte ihm. Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.



halt finden in deiner zuwendung

du
menschwerdender gott
der du ein herz hast für uns
beschenke uns mit
deiner nähe
und lass und glauben
dass wir dir ein
anliegen sind

[. . .] führe uns hinein
in den raum des
vertrauens
den du uns anbietest
wo wir angst nicht
verbergen
enttäuschung nicht wegreden
verzweiflung nicht
verschweigen
und tränen nicht
zurückhalten müssen

ermutige uns
zu uns selbst zu stehen
fehler zuzugeben
freude auszukosten
wohlwollen
anzunehmen und
freiheit zu gestalten

[. . .] du
menschwerdender gott
begleite unsere suche
halte unsere sehnsucht lebendig
und lass uns aufatmen
weil du in den menschen
täglich zu uns kommst

Almut Haneberg



Wort zum Sonntag


Was letztlich zählt, ist Umkehrbereitschaft

„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Ein Satz, der für sich spricht und der sowohl für körperliche als auch für seelische Gesundheit zutrifft. Krank ist auch jemand, der in Gemeinschaft leben möchte, aber von ihr ausgeschlossen ist.
Es gibt aber immer wieder welche, die sich selbst außerhalb der Gemeinschaft stellen. Es gibt andere, die auf Kosten der Gemeinschaft ihren eigenen Vorteil suchen und unserer Meinung nach ihre Situation selbst zu verantworten haben.
Diesen die Hand zu reichen und einen Neuanfang ermöglichen, fällt oft schwer.
Es war eine Provokation für die etablierte Gesellschaft der gläubigen Juden, sich mit Zöllnern und anderen Randgruppen abzugeben. Mit ihnen zu essen hatte einen hohen symbolischen Charakter. Es war ein Signal der Rehabilitation und Wiederaufnahme in die Gemeinschaft, oder aber der Selbstausschluss aus der Gemeinschaft. Jesus kennt die Folgen seines Handelns. Er wendet sich dem bedürftigen Menschen zu, um den Preis der Anfeindung durch die Machthaber, ja um den Preis seines eigenen Lebens.Jesus macht einen solchen „Kranken“ sogar zu einem seiner Jünger. Er macht den Matthäus nicht nur gesund, sondern er macht ihn gleichzeitig selbst zum Arzt. In dem einzigen Akt des miteinander Essens und in den Ruf zur Nachfolge geschieht diese radikale Umkehr dieses Zöllners. Die vielen Tatsachen im Leben dieses Mannes, die ihn als „Sünder“ charakterisieren, haben für Jesus keine Bedeutung. Die vielen Gesetze, die er übertreten hat, kennt Jesus sehr wohl, es ist in dieser Situation aber bedeutungslos. Was zählt, ist die Umkehrbereitschaft!

Zum Weiterdenken

Es gibt sie auch in unserer Kirche:
„Die Randgruppen“ Bei uns ist mittlerweile die Mehrheit der Menschen zur Randgruppe für unsere katholische Kirche geworden, weil sie an unseren Ritualen nur mehr sporadisch teilnehmen und unsere Vorschriften nicht mehr erfüllen. Wie ermöglichen wir Umkehr?


Martin Schachinger, Pfarrassistent, Leiter des Aufbaus der neuen Seelsorgestelle Linz solarCity, Gemeindeberater und Supervisor; verheiratet und Vater von Nathalie und Niklas.

Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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