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Gibt es einen „heiligen“ Krieg oder ist Krieg ein Verbrechen?

Ein Einzelner stellt sich gegen alle und wirft Fragen auf. Er fällt eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt. Regisseur Markus Völlenklee inszenierte „Jägerstätter“ am Landestheater. Das Gespräch führte Elisabeth Leitner
Ausgabe: 2016/41
11.10.2016
Sie haben gesagt, dass Jägerstätters Handeln ohne seinen Glauben an die Auferstehung nicht zu verstehen ist. Wie haben Sie versucht, das in dieser Inszenierung umzusetzen?
Regisseur Markus Völlenklee:
Wofür, wenn es kein Jüngstes Gericht gäbe, wäre er dann gestorben? Er hätte Frau und Kinder in einer schwierigen Zeit im Stich gelassen und der Kriegsmaschine der Nazis einen einzigen Soldaten entzogen. Eine aberwitzige Rechnung. Jägerstätters Verhalten ist nur unter zwei Voraussetzungen verständlich: Zum einen hält er sich für sein Handeln selbst und ungeteilt verantwortlich. Der mehrfache Hinweis auf den Kaiser, dem zu geben sei, was des Kaisers sei, nämlich Gehorsam, verfängt ihn nicht; auch nicht die Auskunft des Bischofs, er sei nicht für die Taten seiner Vorgesetzten verantwortlich.
Zum anderen: Mit dieser Verantwortung sieht er sich einem richtenden Gott allein gegenüber, und was wäre ein richtender Gott ohne Jenseits und Auferstehung beziehungsweise ohne ewige Verdammnis? Jägerstätter wurde in Ihrer Inszenierung nicht als sturer Frömmler gezeigt. Worauf haben Sie bei der Darstellung besonders geachtet?
Völlenklee: Die Gefahr, dass Jägerstätter als Sturschädel erscheint, ist in der Tat gegeben. Deswegen hielt ich es für nötig, immer zu zeigen, dass sich Jägerstätter neuen Faktenlagen gegenüber jeweils neu entscheidet – und nicht nur einer weiteren Anfechtung widersteht. Zu Jägerstätters Ende auf dem Schafott führen viele einzelne Entscheidungen. Jägerstätter ist für mich weder ein Sturschädel noch ein Frömmler, noch ein asketischer Sektierer, dem die Reinheit des Prinzips mehr wert ist als ein Leben mit Kompromissen, sondern ein gebildeter Bauer, der seine Einschätzung der Welt und sich selber ernst nimmt – nicht nur im unauflösbaren Gewissenskonflikt. Auch in alltäglichen Dingen zeigt sich sein selbstverantwortliches Wesen: im Umgang mit seinem unehelichen Kind, mit der Entscheidung, nach Eisenerz zu gehen, in seiner Werbung um seine spätere Frau Franziska.
So wird sein Fall ein Beispiel, an dem Fragen zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in entscheidenden Aspekten sichtbar gemacht werden können Was bleibt von Jägerstätter für die Menschen von heute? Was lebte er vor?
Völlenklee: Jedenfalls seine Nachkommen – und seine Geschichte, die die Frage Krieg und Christentum als ungelöst aufweist. Ist Krieg per se ein Verbrechen? Gibt es Krieg ohne Verbrechen – den „guten, ehrlichen“ Krieg? Gibt es gar einen heiligen Krieg? Im Namen des Kreuzes wurden derer einige geführt. Mich beeindruckt am meisten Jägerstätters Einheit von Denken und Handeln. Die ist ihm bestimmt nicht in die Wiege gefallen. Das muss das Ergebnis eines gewaltigen Kampfes gewesen sein, eines inneren Kampfes, den wenige in dieser Konsequenz auf sich nehmen und zu Ende führen.

KiZ-Aktion: Podiumsdiskussion mit Bischof Manfred Scheuer

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