Erfahrungen mit dem KSÖ-Lehrgang „Soziale Verantwortung“
Ausgabe: 2008/31, KSÖ-Lehrgang, Gabi Lindner, Lernangebot, Sozialakademie, Soziale Verantwortung, Maria Staudegger, Perspektivenwechsel, Natrix, Politik, Wirtschaft, Bildungsangebot
04.08.2008
- Hans Baumgartner
„Mir wurde der KSÖ-Lehrgang zu einer wichtigen Hilfe bei der Neuorientierung im Beruf. Hier geht es nämlich nicht nur darum, etwas zu lernen, sondern auch darum, was du im Leben daraus machst“, sagt die Slowakin Maria Staudegger.
Hätte sie vor zwei Jahren nicht Rektor Josef Kopeinig vom Bildungshaus Tainach in Kärnten auf dieses Angebot hingewiesen, sie hätte den KSÖ-Lehrgang „Soziale Verantwortung“ nie kennengelernt, meint Maria Staudegger aus Bratislava. Sie hatte damals bereits einige Jobs in der Tourismusbranche gemacht und arbeitete gerade am inhaltlichen Aufbau des nationalen slowakischen Internet-Tourismusportals. Über ihren aus Kärnten stammenden Freund (heute ihr Gatte) lernte sie Kopeinig kennen, der sie dann bei einem Gespräch, bei dem es auch um eine mögliche berufliche Neuorientierung ging, auf den KSÖ-Kurs hinwies. „Eigentlich konnte ich bis dahin mit Themen wie soziale Verantwortung oder nachhaltiges Wirtschaften wenig anfangen. Was mir aber am Kursprogramm gefiel, war, dass es viele praktische Elemente enthielt. Besonders angesprochen hat mich, dass jede/r Teilnehmer/in ein konkretes Projekt machen sollte“, sagt Staudegger.
Sicht-Wechsel. Im Lehrgang gibt es das Modul „Perspektivenwechsel“, bei dem die Teilnehmer/innen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und zivilgesellschaftliche Organisationen (NGOs) für eine Woche lang in ein jeweils anderes Arbeitsfeld eintauchen können. „Für mich“, so Maria Staudegger, „war der ganze Lehrgang so etwas wie ein Perspektivenwechsel. Ich machte die Erfahrung mit völlig neuen Lehr- und Lernmethoden, ich lernte Leute und Projekte aus dem Bereich der Zivilgesellschaft kennen, von denen ich vorher kaum etwas wusste – und war ganz überrascht, was es da auch in der Slowakei bereits alles gibt (z. B. fairer Handel).“ Von jedem Lehrgangsmodul habe sie sich ein Stück mitgenommen, praktische Fertigkeiten, das Verstehen von Zusammenhängen zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft und der Rollen der jeweiligen Akteure. „Vor allem aber“, so Maria Staudegger, „wurde mir immer bewusster, dass es hier nicht bloß um Lerninhalte geht, sondern um mich, um mein Leben, um meinen Beitrag zu einer sozialen und nachhaltigen Gesellschaft. Ganz wertvoll waren da auch die vielen informellen Gespräche in den Gruppen, die mir sehr halfen, meine berufliche Neuorientierung abzuklären. Für mich wurde immer deutlicher, dass der Tourismus, so wie er bei uns jetzt läuft, nur das Geld im Blick hat und vieles zerstört. Ich wollte für mich das ändern und etwas im Bereich des ,sanften Tourismus‘ machen.“
Neustart. Anfang des Jahres gründete Staudegger mit einer Kollegin in Bratislava das Reisebüro „NATRIX“. „Für uns ist das ein Kürzel für Natur, Tradition und Erlebnis. Wir wollen Tourist/innen mit den Schönheiten der Natur unseres Landes, mit den Menschen, ihren Traditionen und Lebensweisen zusammenbringen und ihnen so ein einmaliges Erlebnis vermitteln.“ Als Kursprojekt organisierte sie gemeinsam mit der Tirolerin Maria Habernig eine Reise für Leute aus der Slowakei, die an so einer Art des Tourismus interessiert bzw. in diesem Bereich bereits engagiert waren. Das Ziel waren Einrichtungen des nachhaltigen Tourismus im Burgenland, wie der Nationalpark Neusiedler See. Im Herbst organisiert sie einen „Gegenbesuch“. „Für mich haben sich aus dem Projekt sehr wichtige Kontakte für meine weiteren Pläne ergeben. Ob das Konzept aufgeht, weiß ich nicht. Ich will es jedenfalls versuchen“, sagt Staudegger.
Zur Sache
Ein einmaliges Lernangebot
Im Oktober startet die Katholische Sozialakademie ihren dritten zweijährigen Lehrgang „Soziale Verantwortung“ (in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft). Er ist der Nachfolger des legendären Dreimonatskurses der KSÖ. Die geänderte Nachfrage und neue Lernund Lehrmethoden haben die KSÖ veranlasst, eines der Kernstücke ihres Bildungsangebotes neu zu konzipieren und berufsbegleitend anzubieten. Neu ist auch, dass jeweils ein Viertel der Teilnehmer/innen aus einem Schwerpunktland aus dem ehemaligen „Ostblock“ kommt. Bisher waren das Slowenien und die Slowakei, beim nächsten Kurs wird es Tschechien sein. „Das Hinausschauen über den eigenen Tellerrand und das Kennenlernen des scharfen Kapitalismus, aber auch der bereits gewachsenen ,alternativen‘ Strukturen in diesen Ländern ist für alle eine Bereicherung“, meint Kursleiterin Gabi Lindner. Ziel des Kurses ist es, vor allem jüngeren Menschen, die im Bereich der Politik, der Wirtschaft oder in zivilgesellschaftlichen Organisationen tätig sind, das theoretische und praktische Handwerkszeug zu vermitteln, um soziale Verantwortung wahrzunehmen. Einmalig am Lehrgang ist, dass hier die Leute aus den verschiedenen Bereichen und Erfahrungswelten gemeinsam lernen. „Das macht die Sache wirklich spannend und schafft viele interessante Brücken“, meint Lindner.