Ausgabe: 2008/32, Elisabeth Bauer, 100. Geburtstag, Gott, Juli, Elli, Glaube
06.08.2008
- Hans Baumgartner
Ende Juli feierte Elisabeth „Elli“ Bauer ihren 100. Geburtstag. Nach einem gratulationsreichen Wochenende stand sie wieder in „ihrem Reich“, der Bibliothek der KSÖ.
„Warten Sie einen Moment“, sagt Elisabeth Bauer am Telefon. „Ich muss erst mein Hörgerät herausnehmen, damit ich Sie besser hören kann.“ Und dann lacht sie herzlich über die „unfreiwilligen Pointen“, die das Alter so schreibt. Ja, das Lesen falle ihr auch schon schwer. Erst mit Tagen Verspätung habe sie in der KSÖ erfahren, dass es wieder Wahlen gebe. „Habe ich da was versäumt?“, meint Bauer nicht ohne Ironie. „Wenn man so viel erlebt hat, bleibt nur noch wenig über, was wirklich wichtig ist.“
Seit den Anfängen der Katholischen Sozialakademie (1958) arbeitet Elisabeth Bauer dort um „Gottes Lohn“ als Bibliothekarin. „In meiner Pfarre wollten mich damals die Frauen nicht im Sozialkreis, sodass ich mich um etwas anderes umgeschaut habe. Und obwohl ich keine Ahnung von der Bibliotheksarbeit hatte, habe ich P. Rinner zugesagt, das zu machen“, erzählt Bauer. Neben ihrer Tätigkeit als Fachlehrerin hat sie wenigstens zehn Stunden in der Woche in der KSÖ gearbeitet; seit ihrer Pensionierung vor 40 Jahren ist sie an vier Tagen in der Woche am Werk. Mit 90 hat sie begonnen, die ganze Bibliotheksverwaltung auf Computer umzustellen. „Nein, so schwierig war das nicht, ich hatte in der KSÖ eine gute Lehrerin.“ Jetzt ackert sie noch einmal die Bibliothek durch, um sie gut zu übergeben. Fad ist „Tante Elli“ nicht. Dafür sorgen auch ihre vielen Bekannten in der Pfarre. 40 Jahre hat sie eine Kindergruppe geleitet und dabei den „Ehrentitel“ Tante Elli geerbt. Seit 42 Jahren pilgert sie mit der Pfarre nach Mariazell – und geht immer noch die steilsten Stücke zu Fuß.
Elli Bauer„Der Glaube ist das Fundament für mein Leben. Und ich bin Gott sehr dankbar, denn er hat mich so viele Male gut geführt – auch, nachdem ich von den Nazis Berufsverbot bekam.“