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Das Wagnis eingehen

19. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 10. August 2008
Ausgabe: 2008/32, Wagnis, 19. Sonntag im Jahreskreis, Evangelium, Lesung, Matthäus, Römer, Alois Gedl, Sören Kierkegaard, neue Schritte
06.08.2008
Gott rief Elija, den Propheten, Petrus, den Jünger Jesu . . . auch heute ruft Gott Menschen in seinen Dienst. Wie fällt die Antwort auf diesen Ruf aus? Wie groß ist der Mut, Neues zu wagen, sich auf Unbekanntes einzulassen? Wer wagt, wird Gottes helfende Hand erfahren.


Evangelium


Mt 14, 22–33

Gleich darauf forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.


1. Lesung


1 Kön 19, 9a. 11–13a

Dort (am Gottesberg Horeb) ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: [. . . ] Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.


2. Lesung


Röm 9, 1–5

Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht, und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist: Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz. Ja, ich möchte selber verflucht und von Christus getrennt sein um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind. Sie sind Israeliten, damit haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus, der über allem als Gott steht, er ist gepriesen in Ewigkeit. Amen.



Eines tun sie nicht . . .

Die Christen leben wie Gänse auf einem Hof. An jedem siebten Tag wird eine Parade abgehalten, und der beredsamste Gänserich steht auf dem Zaun und schnattert über das Wunder der Gänse, erzählt von den Taten der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten, und lobt die Barmherzigkeit des Schöpfers, der den Gänsen Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse sind tief gerührt, senken in Ergriffenheit die Köpfe und loben die Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles.

Eines tun sie nicht, sie fliegen nicht; sie gehen zu ihrem Mittagsmahl. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut und der Hof sicher.

Sören Kierkegaard (aus der Werkmappe Jugendgottesdienste, Hg. Kath. Jungschar Innsbruck)



Wort zum Sonntag


Neue Schritte wagen

„Es ist schon ein bisschen komisch, da vorne im Altarraum zu sein. Alle schauen mich an. Vermutlich denken sie sich: So eine Wichtigtuerin!“ So beschrieb eine Mitarbeiterin ihre Gefühle, als sie das erste Mal einen sonntäglichen Wortgottesdienst zu leiten hatte. Vielen Laien-Christ/innen fällt es gar nicht leicht, den Schritt aus dem schützenden Kirchenschiff zu wagen und nach vorne in verantwortliche Positionen für die Gemeinde zu treten.
Wie der Gang über stürmisches Wasser, von dem das Evangelium erzählt, so fühlt sich das für manche an. Petrus wagt den Schritt aus dem bergenden Schiff, nicht weil er sich besonders wichtig vorkommt oder weil die Umstände gerade so günstig sind, sondern weil Jesus ihn ruft. Nicht das Wasser trägt Petrus, sondern sein Vertrauen in Jesus. Und seine Angst lässt ihn untergehen. Aber Jesu Hand rettet ihn, so wie Jesu Wort ihn gerufen hat.

Diese Geschichte ist kein Tatsachenbericht, aber auch kein frommes Märchen. Das Evangelium möchte uns vielmehr Glauben und Vertrauen lehren. Die äußeren Umstände sind nicht immer günstig, vieles spricht für das sichere Schiff. Oft müssen wir zu neuen Schritten richtig gedrängt werden: ich werde angefragt für Aufgaben in der Gemeinde; ein vor mir hergeschobenes Gespräch lässt mir keine Ruhe; ein Streit brodelt in mir; meine berufliche Situation ist wie ein goldener Käfig . . . Das Evangelium ermutigt uns, im Glauben jene Schritte zu wagen, zu denen wir uns gerufen fühlen. Denn es ist das Wort Gottes, das uns immer wieder auf neue Wege weist.
Ängste und Zweifel sind dabei eigentlich nur normal. Glaube bedeutet immer ein Wagnis. Aber wenn wir gewohnte Sicherheiten verlassen und neue Schritte tun, werden wir auch erleben können, dass Gott uns nicht allein lässt und dass seine Hand uns hält.

Zum Weiterdenken

Gott ist manchmal im leisen Säuseln, manchmal im Sturm . . . in allem kann ich seinen Ruf hören und Zeichen seiner Nähe entdecken.
Es fällt mir nicht immer leicht, um Hilfe zu bitten – aber es ist ein Ausdruck des Vertrauens.а


Alois Gedl

Pastoralassistent im Seelsorgeraum Tannheimer Tal und Jungholz (Diözese Innsbruck), Gemeindeberater in Ausbildung. Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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