Lambeth-Konferenz: Auswege aus der Kirchenkrise aufgezeigt
Ausgabe: 2008/33, Lambeth, Konferenz, Kirchenkrise, Bischöfe, William Rowan,
13.08.2008
Drei Wochen lang berieten in Canterbury 670 Bischöfe über die Zukunft der anglikanischen Gemeinschaft. Lösungen für die offenen Konflikte wurden keine gefunden. Aber es wurden mögliche Wege aufgezeigt.
Der Ehrenvorsitzende der Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, stellte zum Abschluss der Lambeth-Konferenz nüchtern fest: „In diesen Tagen haben wir unsere Probleme nicht bewältigt und auch nicht unsere Strukturen neu erfunden.“ Nach den engagierten Diskussionen, die sehr ernsthaft, aber auch offen geführt wurden, lägen jetzt Ansätze für Lösungen auf dem Tisch, meinte Williams. Er wolle nun zügig die führenden Persönlichkeiten der 38 Kirchenprovinzen (Teilkirchen) treffen, um mit ihnen die anstehenden Fragen zu erörtern und sie für die erarbeiteten Lösungsvorschläge zu gewinnen. Williams will damit auch jene über 200 – vorwiegend afrikanischen – Bischöfe, die aus Protest nicht zur Lambeth-Konferenz erschienen waren, ins Boot zurückholen. In Medieninterviews haben auch deren Führer, die Erzbischöfe von Nigeria und Uganda, während der Konferenz deutlich bekundet, dass sie keine Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft wollen. Gleichzeitig aber forderten sie eine Verständigung auf gemeinsame theologische und strukturelle Grundlagen. Dabei geht es um ein gemeinsames Verständnis der Bibel und der Lehrtradition im Allgemeinen und um die Bewertung von Homosexualität und Frauenweihe als aktuelle Streitpunkte. Es geht aber auch um das Verständnis von Kirche und welche Strukturen dafür notwendig sind.
Zur Entschärfung der Krise hat die Lambeth-Konferenz ein dreifaches Moratorium beschlossen. Es sollen bis auf weiteres keine Homosexuellen zu Bischöfen geweiht und keine gleichgeschlechtlichen Paare gesegnet werden. Zudem sollten sich Bischöfe nicht länger durch die Aufnahme von „Überläufergemeinden“ in die Angelegenheiten anderer Kirchenprovinzen einmischen. Außerdem soll bis 2013 ein Grundsatzabkommen (Convenant) zur institutionellen Stärkung des Kirchenverbundes ausgearbeitet werden. Wieweit die einzelnen Kirchenflügel mitgehen, ist offen.