In der Pfarrkirche Traun kann jeder selbst „Messen aufschreiben“
Ausgabe: 2008/34, Pfarrkirche Traun, Franz Wild
25.08.2008
- Josef Wallner
Wer tagsüber die Trauner Pfarrkirche zu einem kurzen Gebet besucht, geht zumeist auch nach vorne zu einer Ringmappe: Dort sind die Verstorbenen verzeichnet und dort ist Platz zum Eintragen von Messintentionen.
„Das Ringbuch will helfen, dass wir an den Sorgen und Freuden der anderen Anteil nehmen können“, sagt Pfarrer Franz Wild. Für jeden einzelnen Tag ist ein Blatt eingeheftet. In der oberen Hälfte sind die Namen jener Verstorbenen aus den vergangenen Jahren angeführt, die ihren Sterbetag haben. Darunter ist Platz, um Anliegen und Dank und – das ist das Besondere – auch Messintentionen einzutragen.
Lebendiges Buch. Wenn in der Pfarre Traun jemand „für einen Verstorbenen oder in einer bestimmten Intention eine Messe lesen lassen“ oder – in einer anderen Diktion – „eine Messe aufschreiben lassen“ will, muss er nicht in die Pfarrkanzlei gehen, sondern kann das selbst tun. Auf der Seite mit dem gewünschten Datum trägt man seine Messintention ein: für einen Verstorbenen, zur Danksagung oder Ähnliches. Wer bei der Formulierung oder anderem Hilfe braucht, für den steht selbstverständlich die Pfarrkanzlei offen. Dort erhält man Unterstützung. Bei den Sonntagsgottesdiensten wird die Mappe auf den Altar gelegt, damit das, was Menschen der Pfarre bewegt, auch für alle sichtbar ist, erklärt Pfarrer Wild.
Gratis und Gnade. Dass die Pfarre sich damit von so gut wie allen Pfarren unterscheidet, in denen zum Intentionsbuch auch noch die exakte Abrechnung über die bestellten Messen gehört, weiß Pfarrer Wild. Die Pfarre hat sich bewusst für ihr Modell entschieden: Es trägt zu einer geistlichen Gemeinschaft bei und tritt auch der irrigen Meinung entgegen, dass Gnade – in welchem Zusammenhang auch immer – mit Geld zu kaufen sei.