22. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 31. August 2008
Ausgabe: 2008/35, Sonntag, Herzensfeuer, 22. Sonntag im Jahreskreis, Hingabe, Wort zum Sonntag, Weisheit, Gedl Alois, Kinder, Matthäus, Jeremia, Römer
27.08.2008
Sie sind ganz bei der Sache und alles andere wird nebensächlich – wenn Kinder spielen. Wird etwas mit voller Hingabe getan, so erfüllt es und macht zufrieden. Diese Hingabe ist es, die Jesus von seinen Nachfolger/innen erwartet. So wie er sich selber ganz an die Menschen und an Gott hingegeben hat.
Evangelium
Mt 16, 21–27
Von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen.
1. Lesung
Jer 20, 7–9
Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, „Gewalt und Unterdrückung!“ muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht;
2. Lesung
Röm 12, 1–2
Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.
Weisheit
Gott, gib uns die Gnade, mit Gelassenheit Dinge anzunehmen,
die nicht geändert werden können,
den Mut, Dinge zu ändern, die geändert werden sollten,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Gelassenheitsgebet (1941/42) von Reinhold Niebuhr (1892–1971), deutsch-amerikanischer Theologe
Wort zum Sonntag
Mit Hingabe leben
Die Urlaubszeit bietet immer wieder kleine Lichtblicke: etwa Kinder zu beobachten, wie sie mit Hingabe spielen, eine Sandburg bauen oder etwas Neues entdecken. Sie sind dann ganz bei der Sache und alles andere wird nebensächlich. Vielleicht haben Sie sich selber wieder einmal aus ganzem Herzen einem Hobby widmen oder etwas erledigen können, wozu im Alltag keine Zeit ist. Wenn wir etwas mit voller Hingabe tun, dann erfüllt es uns und macht zufrieden. Die Lesungstexte sprechen von Opfer, Kreuz und Selbstverleugnung. Jesus müsse in Jerusalem leiden und getötet werden. Und auch seinen Jünger/innen wird wie den Propheten Gewalt nicht erspart bleiben: in der Nachfolge Jesu sollen sie das Kreuz auf sich nehmen. Wie sollen wir das denn verstehen? Will Jesus unser Leid? Wurden Menschen mit der Rede vom Kreuztragen, vom Aufopfern und von der Selbstverleugnung nicht oft genug niedergedrückt und klein gehalten? Aber Jesus wollte nicht unsere Selbstzerstörung, sondern unsere Hingabe. So wie er sich selber ganz an die Menschen und an Gott, seinen Vater hingegeben hat. Das Kreuz hat er sich nicht ausgesucht: er wurde von Menschen getötet – und er wurde von Gott auferweckt. Auch wir können uns nicht alles selber aussuchen, vieles wird uns einfach zugemutet. Gegen manches Leid können und sollen wir uns wehren. Einfach alles hinzunehmen, wäre falsch verstandene Nachfolge Jesu. Manches wiederum können wir besser bewältigen, wenn wir uns nicht dagegen sträuben, sondern uns der Herausforderung stellen. Das gilt für wirklich Schweres wie Krankheit oder Unfall genauso wie etwa für die „lästigen Pflichten“ des Alltags.Die Ferienzeit geht zu Ende, ein neues Schul- und Arbeitsjahr steht vor der Tür, mit vertrauten und neuen Anforderungen in der Familie, in der Pfarre, im Beruf ... Ich wünsche Ihnen, dass Sie die auf Sie zukommenden Aufgaben mit Hingabe tun können!
Zum Weiterdenken
Es geht nicht immer alles nach Plan. Loslassen und Annehmenkönnen sind oft schwer. Es kann gelingen im Blick auf Jesus: Er hat sich hingegeben und wurde von Gott auferweckt.
֤ Alois Gedl, Pastoralassistent im Seelsorgeraum Tannheimer Tal und Jungholz (Diözese Innsbruck), Gemeindeberater in Ausbildung.