Die südafrikanische Richterin Navanethem Pillay ist seit 1. September neue Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCR).
Als erste farbige Frau hat Navanethem Pillay 1967 in KwaZulu-Natal, einer Provinz an der Ostküste Südafrikas, eine eigene Rechtsanwaltskanzlei eröffnet. Denn wegen ihrer Hautfarbe bekam sie in den Büros der Anwälte keine Stelle. 1995, kurz nach Ende der Rassentrennung, wurde sie dann – wieder als erste farbige Frau – zur Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas ernannt. Erfolgreich ging ihre Karriere weiter: zunächst als Richterin und Präsidentin beim Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda in Tansania; danach als Richterin beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Die 66-Jährige war an wichtigen Entscheidungen für das Völkerrecht beteiligt. So wurde z. B. ein Bürgermeister aus Ruanda als erste jemals von einem internationalen Strafgericht verurteilte Person des Völkermordes für schuldig gesprochen. „Die Entwicklung im UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte geht dahin, dass Staaten zur Verantwortung gezogen werden und ihr Handeln überwacht wird“, sagt Pillay. Diese Vision möchte sie als neue UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte weiterentwickeln, im Sinne von Louise Arbour, ihrer Vorgängerin.
Weg nach oben. Aufgewachsen ist Navanethem Pillay mit ihren Eltern und ihren drei Schwestern in einem Armenviertel der südafrikanischen Hafenstadt Durban. Dort hat sie die Rassentrennungspolitik Südafrikas hautnah erlebt. Finanzieren konnte sie sich ihr Jura-Studium mittels eines Stipendiums, das sie für einen Schulaufsatz zum Thema Menschenrechte erhalten hatte. (Siehe Thema)
Navanethem Pillay:„Ich glaube, ich habe eine wirkliche Vorstellung davon, was es bedeutet, wenn einem die Menschenrechte verletzt werden, und zwar über längere Zeit hinweg und ohne jede Aussicht auf Gerechtigkeit. Das hat mich der Kampf gegen die Apartheid gelehrt. Ich bin nie davon ausgegangen, dass ich noch zu meinen Lebzeiten da eine Wende erleben könnte.”