Der Philosoph Jean Vanier, Gründer der internationalen katholischen Organisation „L’Arche“, feierte am 10. September seinen 80. Geburtstag. Die britische Autorin Kathryn Spink widmete ihm aus diesem Anlass eine Biografie.
„Gut sein“ und Menschen mit Behinderung „Gutes tun“ – dazu fühlte sich der Kanadier Jean Vanier berufen. Angetrieben von diesem Wunsch, zog er 1964 mit drei geistig behinderten Männern in ein Haus nahe von Paris, um ihnen zu helfen. Im Zusammenleben mit ihnen erfuhr Vanier, dass diese Hilfe von Gegenseitigkeit geprägt war. Das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen auf gleicher Ebene ist das Besondere der Arche-Gemeinschaften. „Eine Familie zu bilden, in der Menschen mit geistiger Behinderung die Sicherheit und den Frieden finden, worin sie sich entfalten können“, ist Ziel jeder Gemeinschaft, so Vanier. Heute gibt es weltweit über 130 Einrichtungen der „L’Arche“. In Österreich stehen zwei Arche-Häuser in Tirol: eines in Gries/Brenner, das andere in St. Jodok.
Wichtige Begegnung. Geboren wurde Jean Vanier 1928 in Genf als viertes von fünf Kindern kanadischer Eltern. Aufgewachsen ist der Arche-Gründer in Kanada und England. 1941 trat er ins englische Marinecollege in Dartmouth ein. Nach seiner Ausbildung und dem Dienst auf verschiedenen Schiffen hat er sich 1950 von der Marine verabschiedet, um Theologie und Philosophie in Paris zu studieren. In dieser Zeit begegnete Vanier seinem späteren geistlichen Vater, dem Dominikanerpater Thomas Philippe, der ihm geholfen hat, seine wahre Berufung zu leben.
- Buchtipp: „Jean Vanier und die Arche“ von Kathryn Spink. Tyrolia-Verlag 2008, Euro 18,40.
Jean Vanier: „In dieser unserer Welt, die sich von vergänglicher und trügerischer Schönheit betören lässt, werden Behinderte oft als Schande empfunden und ihre Probleme als Bürde, die man so schnell wie möglich beseitigen oder beheben müsse. In Wirklichkeit sind behinderte Menschen lebendige Ikonen des gekreuzigten Gottessohnes.”