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Wie Scheiden weniger weht tut

Gerade in Zeiten des Umbruchs fehlt oft die nötige Unterstützung
Ausgabe: 2008/37, Scheiden, Umbruch, Unterstützung, Trennung, Paarberatung, Österreichische Plattform für Alleinerziehende, Kirche, gespalenes Verhältnis
10.09.2008
- Judith Moser-Hofstadler
Eine Trennung oder Scheidung ist für niemanden lustig. In dieser Zeit des Umbruchs können Rituale Halt geben – den sich trennenden Partnern und deren Kindern.

„Die Scheidung ist von mir ausgegangen“, erzählt Marianne (Name geändert). „Ich habe gemerkt, dass mein Ex-Mann Alkoholiker ist und habe keine gemeinsame Zukunft gesehen.“ Sie weiß von anderen Betroffenen, dass es eine Rolle spielt, ob jemand selbst die Scheidung möchte oder der Partner/die Partnerin das will. „Vielleicht hab ich es leichter gehabt, weil ich mich lang auf die Trennung vorbereitet habe“, erinnert sich Marianne.

Mit anderen austauschen. Marianne hat im Bekanntenkreis erfahren, dass es eine Gruppe für Alleinerziehende gibt, und hat sich das angesehen. „Mir war wichtig, dass ich mich damit auseinandersetze“, erklärt sie. Sie wollte das Erlebte selbst bewältigen, auch für ihre Familie und ihren Sohn, der zur Zeit der Scheidung elf Jahre alt war. Ein Seminar für Alleinerziehende hat ihr sehr geholfen, schon wegen des Austauschens von Erfahrungen und Erlebnissen mit anderen.

Vor- und Nachbereitung. Mehr als zwölf Jahre war Marianne mit ihrem Mann zusammen, die Hälfte davon verheiratet. Sie hat sich mit dem Prozess einer Trennung auseinander gesetzt – vom Nicht-wahrhaben-Wollen bis zum Hoffen, dass es doch wieder geht. Sie beschäftigt sich auch Jahre nach der Scheidung immer wieder mit dem Thema, „weil vielleicht doch noch nicht alles verarbeitet ist.“

Ritual für mich. Marianne hat ein persönliches Ritual für sich eingeführt: „Was ich mir für die Zukunft wünsche: Brot und Rosen.“ Brot für die alltägliche Existenz, dass sie ihr Leben mit dem Kind und der Arbeit schafft, und Rosen für das Schöne, dass sie sich neben dem Materiellen wünscht. „Ich hab mir am Tag der Scheidung Brot und Rosen gekauft, und das hab ich jedes Jahr gemacht“, erzählt sie, „damit mir bewusst wird: Was brauche ich für mein Leben, damit es mir gut geht?“

Hoffnung. Marianne hat wieder eine Beziehung. Sie lebt zwar mit diesem Mann nicht zusammen, aber „es ist etwas sehr Beständiges und sehr erfüllend“. Sie sieht positiv, „dass das Leben weitergehen kann und dass man immer hoffen darf“. Voraussetzung für die neue Beziehung war, dass ihr Partner viel Verständnis und Geduld für das Kind aufbringen kann. „Aber jede Beziehung ist Arbeit“, sagt sie. Für Marianne ist wichtig, dass man eine Beziehung gut abschließt und reflektiert. Ihr haben dabei Seminare und Rituale sicher geholfen. Sie ärgert sich aber über das gespaltene Verhältnis der Kirche: Es gibt Gruppen, die etwas für Betroffene anbieten, und anderen passt das wieder nicht. „In der Zeit, in der man Unterstützung und Hilfe brauchen würde, gibt es für viele nichts“, meint sie.

- Die Österreichische Plattform für Alleinerziehende und die Katholische Frauenbewegung Österreich haben gemeinsam den Behelf „Aus.einander. Rituale, Texte und Hinweise zu Trennung und Scheidung“ herausgegeben. Zu beziehen um e 10,– bei ÖPA, Landstraßer Hauptstraße 33/2/19, 1030 Wien, E-Mail: oepa@oepa.or.at
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