In den letzten zehn Jahren hat sich in Oberösterreich die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Geldleistungen aus der Sozialhilfe – es ist das letzte soziale Auffangnetz – beinahe verdoppelt!
Landesrat Josef Ackerl hat am 15. September eine Studie über Lebenslagen am finanziellen Existenzminimum präsentiert (siehe Kasten unten). Im Jahr 2007 haben zum Stichtag im November 5153 Personen Sozialhilfe bezogen. Zehn Jahre davor waren es zur vergleichbaren Zeit 2559 Personen. „Besonders besorgniserregend ist“, so Ackerl, „die Entwicklung bei den Mitunterstützten, insbesondere bei jenen mit Anspruch auf Familienbeihilfe, also bei den Minderjährigen.“ Ihre Zahl hat sich in diesem Zehn-Jahres-Abstand auf 1.970 mehr als verdreifacht.
Bessere Absicherung. Für Landesrat Ackerll sind weitere Daten ein Beleg dafür, dass die bundesweiten Netze – wie Arbeitslosengeld und Notstandshilfe – zunehmend versagen. Die Zahl der Personen nämlich, die Sozialhilfe bezogen haben, weil die Arbeitslosenunterstützung nicht ausreichte, hat sich seit dem Jahr 2002 mehr als verdoppelt. Die Bundes-Sozialleistungen müssten verbessert werden! Ackerl ärgert es, dass um jeden Euro für eine Mindestsicherung gefeilscht wird. – „So sehr wir aus diversen Medien täglich über die Lebens- und Gemütslagen der Reichen und Berümten informiert werden, so wenig wissen wir eigentlich wirklich über jene, die am unteren Ende der Einkommensskala leben müssen.“
Von Armut betroffen
Einzelne Auslöser verursachen häufig Kettenreaktionen, die in die Armut führen, fassen Mag. Dieter Daume vom IBE Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung sowie Studienautorin Mag. Martina Stadlmayr ein Ergebnis der Studie „Wie Armut lebt“ zusammen. Der Teufelskreis – finanziell prekäre Situation, dann Rückzug und Ausgrenzung, daraufhin Abschottung, soziale Verarmung, psychosomatische Beschwerden, schließlich finanzielle-materielle-immaterielle-soziale Selbstaufgabe und Vererbung an die Kinder ... „Ich habe kein Lebensmotto. Das ist schon vorbei“ zitiert die Studie eine 24jährige Alleinerzieherin, die immer schauen muss, irgendwo arbeiten zu können, sonst würde ich es alleine nicht schaffen.“