Nirgends lügen sich die Österreicher so sehr in die eigene Tasche wie in Fragen der Gentechnik, betonten übereinstimmend Markus Hengstschläger, Leiter der Abteilung Medizinische Genetik der Universität Wien, der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger und Alexandra Föderl-Schmid vom „Standard“. Sie diskutierten auf Einladung des Forums Kirche & Soziales der HYPO Oberösterreich im Linzer Ursulinenhof und forderten, dass sich die Gesellschaft ehrlicher mit den Risken, aber auch den Chancen der Gentechnik auseinandersetzen solle. Mehr als 200 Gäste waren gekommen, um über Möglichkeiten und ethische Bedenken in der Stammzellen-Forschung zu hören. Stammzellen sind „Superzellen“, die fähig sind, verschiedene Zellen zu produzieren, die der Körper zum Erhalt des Lebens braucht. Der Wissenschaft gelingt es immer besser, die „Arbeit“ der Stammzellen gezielt zu steuern und in der Medizin erfolgreich einzusetzen. Aus ethischer Sicht besteht ein Problem, wenn Stammzellen aus Embryonen gewonnen und in Folge zerstört werden. Die katholische Kirche lehnt dies strikt ab. Hengstschläger – er betreibt selbst keine embryonale Stammzellenforschung – betont jedoch, dass dies weltweit aufgrund der verschiedenen religiösen Traditionen höchst unterschiedlich gehandhabt werde. In den meisten Ländern der Welt – nicht in Österreich – ist die embryonale Stammzellforschung erlaubt.