Ausgabe: 2008/39, Jochum, Geldumgang, Markus Jochum, Regel, finanzielle Notlage, Bankdienstleistungen, zweite Sparkasse, Innsbruck, ehrenamtliche Tätigkeit, Erziehung, Wirtschaftserziehung, Notsituation, Schuldnerberatung
24.09.2008
- Susanne Huber
In der Regel bekommen Menschen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, keinen Zugang mehr zu Bankdienstleistungen. Im Falle der „Zweiten Sparkasse“ ist das anders. Die Innsbrucker Filiale feierte am 14. September einjähriges Bestehen.
Ein Konto für jene, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken – diese Besonderheit bietet die „Zweite Sparkasse“ ihren Kunden. Voraussetzung dafür ist, dass sie von der Caritas oder der Schuldnerberatung betreut werden. Beide Eirnrichtungen arbeiten eng mit dem Geldinstitut zusammen, um den Betroffenen zu helfen, ihr Geldleben zu stabilisieren. Die Laufzeit des kostengünstigen Kontos beträgt drei Jahre. „Wir glauben, in diesem Zeitraum müsste es möglich sein, dass unsere Kunden wieder in einen Arbeitsprozess integriert werden können“, so Markus Jochum, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse. In Innsbruck ist man ein Jahr nach Eröffnung der Filiale in Mariahilf überrascht von der großen Nachfrage. „Wir haben mit 100 Kunden gerechnet. Geworden sind es 330. Das stimmt uns nachdenklich, weil es ja Leute sind, die sich in einer Notsituation befinden“, so Jochum.
Erziehung. Nachdenklich stimmt den gebürtigen Bludenzer auch, dass jeder vierte Kunde der „Zweiten Sparkasse“ jünger ist als dreißig. Deshalb wird verstärkt in eine Art „Wirtschaftserziehung“ investiert. „Wir haben Vereinbarungen mit 35 Schulen in Innsbruck und bieten Informationen für junge Menschen an, wie sie sich vor Schulden schützen können“, so der 55-jährige Familienvater von zwei Kindern und begeisterte Hobbyorganist. Weitere Filialen der „Zweiten Sparkasse“ gibt es in Wien, Salzburg, Klagenfurt und Graz. Betreut werden die Kunden von insgesamt 400 ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter/innen.
Dr. Markus Jochum: „Die ehrenamtliche Tätigkeit aller Mitarbeiter der ,Zweiten Sparkasse‘ ist ein gemeinnütziger Beitrag, den wir für Menschen erbringen, denen es nicht so gut geht. Allerdings nur für eine befristete Zeit, weil der Zweck der Übung ja darin besteht, die Menschen wieder in einen normalen Lebens- und Arbeitsprozess zu integrieren.“