Jahrelang haben sie gepredigt, dass nur ein „schlanker Staat“, der sich möglichst wenig in die Wirtschaft einmischt, ein guter Staat ist. Und viele Politiker – auch bei uns – sind gläubig dieser „Lehre“ hinterhergelaufen. Da wurden Kontrollen abgebaut und Schranken eingerissen, damit sich das Kapital möglichst ungehindert rund um den Globus bewegen kann. Finanzminister stimmten das „Hohe Lied“ der Börse an und verfügten, dass sogar ein erheblicher Teil der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge dort veranlagt werden müsste. Nun, wo die faulen Früchte dieses neuen Finanzkapitalismus aufplatzen, rufen seine Propheten nach dem Staat. Vielleicht begreift die Politik jetzt, dass der Markt nur so gut ist, soweit er – vor allem – dem Gemeinwohl dient.
Hans Baumgartner
Chinesischer Milchskandal
In China suchen immer mehr besorgte Eltern die Krankenhäuser auf: Zu Redaktionsschluss waren es etwa 13.000 Kleinkinder, die in Spitäler eingeliefert wurden, nachdem sie an mit Melamin vergiftetem Milchpulver erkrankten – davon leiden über hundert Kinder schwer an Nierensteinen. Vier Babys sind bereits tot. Wahrscheinlich wird die Opferzahl noch steigen. Die giftige Chemikalie Melamin ist in China so preisgünstig, dass sie als Streckmittel für eiweißreiche Nahrungsmittel verwendet wird. Laut chinesischen Angaben habe bereits jede fünfte Molkerei vergiftetes Milchpulver verkauft. Es ist ein Skandal, wie sehr die Gier mancher Menschen nach Profit jegliche Moral und jegliches Verantwortungsbewusstsein außer Acht lässt.