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Torheit wird zum Maßstab

26. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 28. September 2008
Ausgabe: 2008/39, Torheit, 26. Sonntag im Jahreskreis,Torheit, Reue, Aufbruch, Poxrucker, Martin Buber, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, Matthäus, Philister, Ezechiel, Barmherzigkeit, Brüder
24.09.2008
„Ja, ja“ sagt der Eine und nichts geschieht. Aus dem anfänglichen „Nein“ des Anderen wird zuerst Nachdenklichkeit, dann Reue und ein Aufbruch. Leben wird, wer alle seine Vergehen einsieht und ehrlichen Herzens umkehrt zu Gott. Töricht scheint Gott zu sein in seiner/ihrer Liebe den Menschen gegenüber, maßlos in der Barmherzigkeit.


Evangelium


Mt 21, 28–32

Was meint Ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!
Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete:
Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.


1. Lesung


Ez 18, 25–28

Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel; Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.


2. Lesung


Phil 2, 1–11

Wenn es Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu, und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes des Vaters.



Es ist nicht
leicht mit Gott
Schritt zu halten.

Martin Buber



Wort zum Sonntag


Was meinst du?

Jesus beschreibt auch mich, wenn er in einem Gleichnis von zwei ungleichen Brüdern erzählt. Wie oft sage ich „Ja, ja, das mach’ ich“ und schiebe es dann auf, vergesse darauf, lass’ es links liegen. Oft handelt es sich dabei um Dinge, die ich ganz persönlich mit mir ausmache. Fotos vom Urlaub nachbestellen, Unterlagen ordnen oder sich wieder einmal bei einer langjährigen Freundin melden und fragen, wie es ihr geht. „Ja, ja, ich mach’ es dann. Gleich.“
Auch im zweiten Bruder finde ich mich wieder. Keine Lust auf etwas zu haben, keine Motivation zu verspüren und dann sofort abblocken. Auch das ist mir nicht fremd. Vor allem das schlechte Gewissen, das mich dann drückt und dann doch dazu führt, das vorher Abgelehnte zu tun. Richtig wohl fühl’ ich mich dann nicht, außerdem bin ich nur halbherzig bei der Sache.
Die Beschreibung der Brüder zeigt, wie gut mich Jesus kennt. Er geht nicht davon aus, dass ich immer das Richtige tue. Mit der Beschreibung will er mich wachrütteln.Klar wird, dass ich nach außen hin nicht „scheinheilig“ auftreten soll, wenn ich mein Tun eigentlich nicht darauf ausrichte.
Besser steht der zweite Bruder da, weil er seine Antwort bereut und der Bitte seines Vaters folgt.Wenn es aber darum geht, im Glauben zu handeln – also dem Vorbild Jesu und Gottes Willen entsprechend – dann ist neben diesen beiden Brüdern Jesus die bessere Alternative. Weil er entschlossen UND aufrichtig ist. Weil sein Wort und sein Tun übereinstimmen.

Was bedeutet es, Gottes Willen zu befolgen und Gehorsam zu zeigen? Für mich heißt dies nicht, keinen Zweifel zu hegen oder blind zu gehorchen. Viel mehr soll ich wie Jesus kritisch sein, mutig einstehen, mich weiterentwickeln.
Das ist nicht nur seine Aufforderung an mich, sondern auch an unsere Kirche.

Zum Weiterdenken

Jesus fragt: Was meint ihr? Er will, dass ich mich mit Gott und mit meinem Glauben auseinandersetze. Damit ich nicht nur leere Worte daherrede, sondern auch danach handle.
Damit Kirche gelebter Glaube wird.


Stefanie Poxrucker
Ehrenamtliche Vorsitzende der kj oö, engagiert in der Pfarre St. Peter/Wbg (Jungschar, Kinder- & Jugendfachausschuss), Studentin an der FH Linz/Soziale Arbeit.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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