„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“ Mit dieser zentralen Botschaft gibt Jesus die Richtung vor, was den Umgang mit Fremden betrifft.
„Was ihr einem meiner Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.“ So stellt sich Jesus nach dem Matthäusevangelium an die Seite der Schwachen.
Am kommenden Sonntag, 28. September, feiert die Kirche den Sonntag der Völker. Wie bei einem Gottesdienst und Fest im Linzer Dom (ab 10 Uhr), steht dieses Anliegen auch bei den Pfarrgottesdiensten im Mittelpunkt.
Der christlichen Botschaft nach haben alle ein Heimatrecht. Wie sollten Menschen jemanden ausschließen, der in der Liebe Gottes steht? Und zugleich leben alle in dem Bewusstsein, dass sie auf der Welt „keine bleibende Stätte“ haben.
Integration ist ein Prozess
An diesem 28. September ist Wahlsonntag und Sonntag der Völker
Der „Sonntag der Völker“ fällt heuer mit dem Wahlsonntag zusammen. Das trifft sich gut, denn Ausländer/innen sind immer auch Wahlkampfstoff.Nach Österreich zugewanderte Menschen machen gute und schlechte Erfahrungen, wie sie hier aufgenommen werden. Die schlechten, sagt Mümtaz Karakurt von „migrare“, dem früheren „Verein zur Betreuung der Ausländer“ in Linz, nehmen in Zeiten wie diesen zu, wenn Wahlen bevorstehen. Karakurt kam 1980 nach Österreich, um hier zu studieren. Die aus Vietnam stammende Thi-Cuc Nguyen – sie arbeitet als Sachbearbeiterin im Pastoralamt der Diözese Linz – hat „eigentlich immer nur gute Erfahrungen“ gemacht. Sie kam 1978 dreijährig nach Österreich und fand mit ihren Geschwistern im Pfarrhof von Linz-St. Margarethen, wo sich die Pfarrhaushälterin „Pepi“ Mayerhofer sowie der Pfarrer und spätere Caritasdirektor Josef Mayr um sie annahmen, Heimat. Gut aufgenommen werden. Anfangs gab es Dinge, die nicht ganz schön waren, sagt Stefan Karsai. Er arbeitet bei der Caritas als Sozialarbeiter im Haus Courage in Wels. 1988 ist er aus Rumänien zugewandert. „Heute“, so Karsai, „fühle ich mich nicht benachteiligt“. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass er Deutsch konnte. Thi-Cuc sprach zunächst noch Vietnamesisch. Heute kann sie die Sprache nicht mehr. Ihr hiesiger Dialekt ist lupenrein. Was war für ihre Integration entscheidend? – „Dass ich gut aufgenommen und gefördert wurde.“ – „Wenn sich jemand integrieren will, kann er sich integrieren“, meint Karsai. Die Diskussion, dass immer noch mehr zu tun wäre, versteht er nicht. Aber Mümtaz Karakurt hat auch negative Erlebnisse. Etwa, wenn er immer noch in Situationen kommt, in denen er erklären sollte, „warum ich da bin!“ Hier werde alles mit der ethischen, religiösen Brille gewertet. Die Person verschwinde hinter der Masse. „Integration ist keine Leistung, die erbracht werden muss, sondern ein Prozess mit vielen Beteligten.“
Thema
Sonntag der VölkerFest beim Dom
Das Pastoralamt und die Caritas der Diözese Linz laden zum „Sonntag der Völker“ (Ausländersonntag) am 28. September 2008 um 10.00 Uhr in den Mariendom Linz ein. Am Beginn der Feier steht ein vielsprachiger Festgottesdienst mit Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz. Anschließend findet am Domplatz das „Fest der Völker“ statt.
An diesem Sonntag werden verschiedene Kulturen, deren Tänze, Musik und Speisen den Linzer Domplatz bereichern.Das Motto lautet: „Gerechtigkeit für alle“. Das Augenmerk soll darauf gelenkt werden, dass der Einsatz für die Gerechtigkeit für alle Menschen – ganz gleich welcher Nation, Sprache oder welcher Hautfarbe – wichtig ist. Das Leben ist nur in einem friedlichen Miteinander lebenswert.
FremdsprachigenSeelsorge
Die Fremdsprachigen Seelsorge der Diözese Linz erstellt Angebote für Katholikinnen und Katholiken in ihrer Muttersprache, damit sie den Glauben erfahren und Gottesdienste feiern können. 14 fremdsprachige Seelsorgegruppen gibt es in der Katholischen Kirche in Oberösterreich. Dr. László Vencser, Nationaldirektor der Fremdsprachigen Seelsorge Österreichs und Abteilungsleiter in Linz, weist auf ein weiteres wichtiges Motiv des „Sonntags der Völker“ hin. Es sollen Brücken zwischen den Ortspfarren und den Fremdsprachigengemeinden geschlagen werden. „Wer wohnt bei uns, der oder die nicht muttersprachlich deutsch ist? „Beten und singen aus der Seele kann man echt nur in der Muttersprache. Für eine gelungene Integration ist es notwendig, eine eigene Identität zu haben und sie zu pflegen“, sagt Vencser.