Ausgabe: 2008/39, Musik, Kirchenmusik, Habringer, Postlbauer, Dietach, Musik
29.09.2008
- Elisabeth Leitner
Heute schon gesungen? – Den Mut, vor anderen ein Lied anzustimmen, haben viele Zeitgenossen nicht mehr. Orte, an denen mit großer Selbstverständlichkeit noch gesungen wird, sind die Kirchen, sagt Domkapellmeister Josef Habringer im Interview.
Eine festliche Liturgie ohne Musik ist unvorstellbar. Welchen Stellenwert hat die Musik im Gottesdienst? Mag. Josef Habringer: Dass es Musik gibt, wird als selbstverständlich erachtet. Erst wenn die Organistin aufhört oder sich der Kirchenchor auflöst, wird das Fehlen beklagt. Zu oft hat sie noch die Funktion des Pausenfüllers oder dient der Behübschung.
Musik ist kein nettes Anhängsel, sondern selbst Verkündigung. Wird das in den Pfarren gelebt und umgesetzt? Seit 20 Jahren arbeite ich im Referat für Kirchenmusik und wir spüren, dass sich an manchen Orten dahingehend etwas verändert. Gottesdienste werden bewusster vorbereitet, Musik ist dabei ein wichtiges Moment. Die Kirchenmusik ist nicht zweckfrei, ihr Ort ist der Gottesdienst. Die Organist/innen, die Chorleiter/innen und die Sänger/innen bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Neben der ideellen Wertschätzung wäre es auch wichtig, dass im Pfarrbudget ein Teil für die Kirchenmusik vorgesehen wird.
Musik aus den Boxen ist allgegenwärtig und wird oft als Belästigung empfunden, das eigene Musizieren wird weniger. Was tun? Zum einen ist es wichtig, dass auch in den Schulen wieder gesungen und musiziert wird. Das Land Oberösterreich unterstützt hier die Aktion „Singen macht Schule“. Wenn jemand die Erfahrung gemacht hat, dass Singen bereichernd ist, wird er oder sie das weiterhin tun wollen. Singen ist eine Ausdrucksmöglichkeit des Menschen, in einem Chor lässt sich auch Gemeinschaft erleben.
Was kann Musik den Menschen geben? Die Musik kann Gefühle und Gedanken ausdrücken, wo Worte versagen. Sie kann trösten und heilen. Die Musik im Gottesdienst kann ein Fenster aufmachen in eine andere Wirklichkeit und eine Ahnung vom Himmel vermitteln.
- KIZ-Tipp: Kirche klingt. Kirchenmusik in Oberösterreich: im Jahrbuch 2009 der Diözese Linz, erhältlich im Behelfsdienst des Pastoralamts und in den Pfarrämtern. Preis: 7,90 Euro (mit CD).
Kirchenchöre in Oberösterreich
„Kirchenchöre sind wichtige Kulturträger im Land Oberösterreich“, hält Josef Habringer im Interview fest. In Oberösterreich gibt es ca. 500 Kirchenchöre und etwa 100 Jugendchöre und Singkreise. Durchschnittlich sind 12.000 Sänger/innen aktiv, die 10 bis 20 Mal im Jahr einen Gottesdienst musikalisch gestalten. Probleme, mit denen die Kirchenmusik kämpft sind: Überalterung und Chorsterben. Es mangelt an Männerstimmen, Chorleiter/innen, Organist/innen, Kantor/innen.