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Keineswegs eine Spinnerei

Ausgabe: 2008/40, Bräuer, Solidaritätspreisträger, Schafwolle, Spinnmaschine, Manufaktura, Haslach, ALOM
01.10.2008
- Ernst Gansinger
Manufaktur Haslach, Solidarit?tspreistr?ger, Robert Br?uer, Weberei, Textil, Maschinen, Schafwollverarbeitung
Manufaktur Haslach, Solidarit?tspreistr?ger, Robert Br?uer, Weberei, Textil, Maschinen, Schafwollverarbeitung
© honorarpflichtig, Ernst Gansinger
„Der Wolf reißt die Schafwolle grob auf und bereitet sie für die Mischkammer vor. Lang liegt sie dort nicht, denn weiter geht’s zur Krempelmaschine (Baujahr 1921), die mit einer Million Nadeln auf einer Walze die Wolle auskämmt und das Fasern-Wirrwarr ordnet. Die nächste Station ist die Spinnmaschine. Sie bringt Drehung in die Fasern und sorgt dafür, dass der Faden nicht reißt.

Das ist der Anfang eines Bearbeitungsprozesses der Schafwolle, die etwa 500 bäuerliche Lieferanten zur Manufaktur Haslach bringen. 30 Tonnen Schurwolle werden hier jährlich angeliefert. Der Großteil wird nach Deutschland verkauft, etwa neun Tonnen verarbeitet die Manufaktur selber. Zunächst aber wird sie zum Waschen nach Belgien geschickt.

b>12.000 Schafe. Im Mühlviertel gab es vor etwa 20 Jahren 12.000 Schafe, heute sind es sicher mehr. Sie werden nicht gehalten wegen der Wolle, sondern vor allem wegen ihres Fleisches und auch wegen der Milch und des Veredlungsproduktes Schafkäse. Die Wolle – 2,5 bis 3,5 Kilogramm liefert ein Schaf im Jahr – ist nur ein Nebenprodukt, das wirtschaftlich nicht interessant ist. Die Manufaktur aber leistet einen wichtigen Dienst – sie nimmt die Wolle garantiert ab.

Gestern und heute. Am 3. Oktober 2008 wird die Manufaktur Haslach am neuen Platz eröffnet. Robert Bräuer hat damit ein großes Ziel erreicht. Aber viel mehr noch als um Gebäude und Maschinen geht es ihm, der heuer im Mai mit dem KirchenZeitungs-Solidaritätspreis ausgezeichnet worden ist, um die Menschen. Er leitet die Betriebsseelsorge Oberes Mühlviertel und ist die zentrale Figur der Manufaktur: Betriebsschlosser der ehrwürdigen Maschinen, Sozialarbeiter, Schlüsselkraft, Projekt-Verhandler. Immer wieder setzt er auch Initiativen für spannende Veranstaltungen in und für die Region Oberes Mühlviertel.

Kunst und Handwerk. 2009 wird dann das „Textile Zentrum“ fertiggestellt sein, wenn im Zusammenhang mit der Manufaktur ein „lebendes Museum“ eröffnet wird. Die Schafwoll-Verarbeitung, die Bedeutung der Schafhaltung und das Drumherum werden nicht nur präsentiert, sondern auch im unmittelbaren Produktionsprozess sowie bei künstlerischen und handwerklichen Workshops erlebbar sein. Die Fachschule soll ebenfalls eines Tages unter das gleiche Dach kommen. Bildung, Kultur, Fremdenverkehr, Landwirtschaft und Soziales werden in Wechselbeziehung gebracht.

Projekt für Arbeitslose. Robert Bräuer, ein gelernter Textiltechniker, leitet die Betriebsseelsorge Oberes Mühlviertel. Sein besonderes Engagement galt immer den Arbeitslosen der Region. Unter anderem initiierte er VEROM, den „Verein zur eigenständigen Regionalentwicklung im Oberen Mühlviertel“, und engagierte sich beim Verein ALOM, einem Verein für Arbeit und Lernen, aus dem 1989 die Böhmerwaldwerkstätte hervorging. Mit den Schafbauern der Region entwickelte er 1990 das Arbeitslosenprojekt „Textilwerkstatt Haslach“. Seit 1997 bietet sie als „Manufaktur Haslach“ geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen.
Robert Bräuer denkt und handelt vernetzt. So bringt er mit seinen Initiativen die Unterstützung für arbeitslose Menschen mit kulturellen, wirtschaftlich-touristischen sowie bäuerlichen Interessen zusammen.







Verein ALOM

Arbeiten, lernen und die Zukunft mit Menschen aus der Region aktiv mitgestalten, um eine gerechtere Verteilung der Lebenschancen zu erreichen – das sind die Leitvorstellungen des Vereins für Arbeiten und Lernen Oberes Mühlviertel ALOM. Er wurde 1984 gegründet. Benachteiligte Gruppen sollen bessere Chancen am Arbeitsmarkt bekommen. 1989 entstand das Beschäftigungsprojekt „Böhmerwaldwerkstätte“. Später folgten u.a. das Rohrbacher FrauenTrainingsZentrums, die Trägerschaft für die „Manufaktur Haslach“, Kursmaßnahmen und Stiftungen sowie die „Berufsbörse“. Heute bietet der Verein insgesamt mehr als 60 Transitarbeitsplätze für arbeitsuchende Personen.

Manufaktur Haslach

„Beinahe wäre uns viel verloren gegangen: die Vielfalt der Schafrassen und das jahrhundertealte Wissen über die Verarbeitung von Schafwolle; verdrängt von industrialisierter Landwirtschaft und Billigprodukten.“ – Dieser Text steht auf der Einladung zur Eröffnung der Manufaktur Haslach im „TuK Vonwiller Haslach, Textiles Zentrum“ am Freitag, 3. Oktober, 17 Uhr.
Mühlviertler Schafhalter und Kunsthandwerker gründeten 1990 die Manufaktur Haslach. Sie wurde 1997 von ALOM übernommen. Heute finden hier für jeweils ein Jahr benachteiligte Menschen auf zwölf Transitarbeitsplätzen Arbeit, unterstützt von fünf Schlüsselkräften und vier Dauerbeschäftigten. Zusammen mit der Textilen Kultur Haslach wurden Schafwollprodukte, wie z.B. der Waldschaftweed, entwickelt und eine Produktionsstätte geschaffen. Hauptprodukte sind Decken, Betten, Strickwolle, Tweed und Filzhausschuhe.Die Krempelmaschine kämmt die Wolle aus.

- Manufaktur Haslach, Stahlmühle 3–4, 4170 Haslach an der Mühl, Tel. 07289/72 180. E-Mail: twh@alom.at, Homepage: www.alom.at
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