27. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 5. Oktober 2008
Ausgabe: 2008/40, Gu Han Song Shenfu, P. Luis Gutheinz, Paulus, Trauer, Zärtlichkeit, 27. Sonntag im Jahreskreis, Lied, Lesung, Evangelium, Jesaja, Philister, Matthäus, Wort zum Sonntag, Tauben, Beeren
01.10.2008
Trauer schwingt durch dieses Lied, es erzählt von einer schlimmen Enttäuschung, vom schmerzlichen Scheitern einer großen Liebe. Doch die Liebe Gottes bleibt trotz Zorn und Trauer beständig. Das Reich Gottes erhält, wer die erwarteten Früchte bringt.
1. Lesung
Jes 5, 1–7
Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund, ein Lied vom Weinberg meines Liebsten. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus. Dann hoffte er, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren. Nun sprecht das Urteil, Jerusalems Bürger und ihr Männer von Juda, im Streit zwischen mir und dem Weinberg! Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat? Warum hoffte ich denn auf süße Trauben? Warum brachte er nur saure Beeren? Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: Ich entferne seine schützende Hecke; so wird er zur Weide. Seine Mauer reiße ich ein; dann wird er zertrampelt. Zu Ödland will ich ihn machen. Man soll seine Reben nicht schneiden und soll ihn nicht hacken; Dornen und Disteln werden dort wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden. Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel, und die Männer von Juda sind die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat. Er hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit – doch siehe da: Der Rechtlose schreit.
2. Lesung
Phil 4, 6–9
Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren. Schließlich, Schwestern und Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.
Evangelium
Mt 21, 33–44
Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt, was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.
\"Wie schön wäre es, wenn ein Tag ...
wie tausend Jahre wäre, dann könnten wir viel mehr Zeit bei den Leprafreunden verbringen“, schreibt der Jesuit P. Luis Gutheinz.
Im Oktober, dem Monat der Weltkirche, schreibt P. Gutheinz die Kommentare zu den Bibeltexten der Sonntage und gibt einen kleinen Einblick in seine Arbeit als Theologieprofessor an der Katholischen Fu-Jen-Universität auf Taiwan und seinen Einsatz für das China Leprosy Service, dem Dienst der Leprakranken in China (siehe auch inpuncto gloria, S. 13).
„Im Herbst 1975 bat mich ein Mitbruder, in das naheliegende Leprosarium Lesheng (Frohes Leben) mitzugehen. Selbstverständlich ging ich mit, ohne zu ahnen, dass Entscheidendes geschehen sollte: Nach der Eucharistiefeier nahmen mich Freunde mit auf einen ersten Rundgang im Leprosarium. Niemand sagte mir, was ich da sehen würde. Ich begann am ganzen Leib zu zittern, verabschiedete mich rasch von den Freunden kehrte ins Theologat zurück. In der Hauskapelle kniete ich nieder und weinte: „Herr Jesus, ich bin erschüttert! Du darfst nicht zulassen, dass Menschen so viel leiden! Ich kann Dir einfach nicht zustimmen!“ Langsam stieg aus der Tiefe folgene Idee auf: „Luis, geh’ und tue, was Du für die Leprakranken tun kannst, für den Rest sorge ich, denn Ich bin der Herr!“
Wort zum Sonntag
Von süßen Trauben und sauren Beeren
Kein Zweifel, wenn wir treu und beständig auf die Frohbotschaft der sonntäglichen Lesungen hinhörten, wir könnten gar nicht anders als als wahre Jünger/innen Jesu unser Alltagsleben zu Seiner Ehre und zum Heil unserer Mitmenschen gestalten. Viele unserer Zeitgenossen haben nie einen Weinberg gesehen und werden sich darum wundern, was da bei Jesaja (vgl. 1. Lesung) mit Edelreben, sauren Beeren, Dornen und Disteln für ihr Leben in der heutigen Welt wohl gemeint sei. Es geht um die Heilsgeschichte Israels im Alten Testament, dass dieses Volk – mit einem Weinberg verglichen – den Erwartungen Gottes bei weitem nicht immer entsprochen hat, dass aber Gott in seiner alle menschlichen Maßstäbe sprengenden Vorsehung diesen Weinberg nicht aufgibt. Eine kostbare Botschaft für jeden von uns in unserer Zeit! Auf gut englisch würden wir sagen: God never lets us down! Im Evangelium nimmt Jesus das Bild vom Weinberg auf und spielt in groben Umrissen an auf politische Ereignisse und die Ablehnung der Vorboten Jesu und Jesu selbst von Seiten der Führung des jüdischen Volkes. Der Sohn Gottes wird außerhalb der Stadt Jerusalem, auf Kalvaria, mit römischer Hilfe gekreuzigt. Die vielen Menschen in der Nachfolge Jesu tragen seither die Botschaft des Reiches Gottes hinaus in alle Welt, zu den Völkern dieser Erde. Ein Blick in die Geschichte der Kirche seit den Tagen der Apostel zeigt jedoch, dass die Völker (außerhalb Israels) dem göttlichen Auftrag nicht unbedingt merklich besser entsprochen haben. Wenn wir bedenken, dass der auferstandene Jesus Christus seine Freunde in die Welt sandte mit der explosiven Frohbotschaft, so müssen wir gestehen, dass wir es viel besser hätten machen können. Aber es ist nie zu spät!
Zum Weiterdenken
Paulus singt ein Lied für die Sorglosigkeit, die uns Christ/innen ins Herz geschrieben sein sollte (vgl. 2. Lesung). Die Frage ist letztlich: glauben wir wirklich und existentiell, dass Jesus lebt und dass der Vater in seiner Allmacht uns täglich in seinen Händen trägt?
Gu Han Song Shenfu in Tirol P. Luis Gutheinz SJ genannt, lebt und arbeitet seit über 40 Jahren in Taiwan und China.