Die Grenze der Europäischen Union ist weit nach Osten gewandert. Zwischen 6. und 9. Oktober besuchte Bischof Dr. Ludwig Schwarz die weißrussischen Partnerdiözesen Minsk und Grodno und die litauische Diözese Kaunas. Auf beiden Seiten der EU-Grenze braucht man die Hilfe und Zusammenarbeit mit der Caritas.
Kraut, Erdäpfel, ein wenig Fleisch finden sich in der Suppe. Sorgfältig füllt die junge Benediktinerin das Gurkenglas, das ihr der vielleicht Fünfzigjährige entgegenhält. Er verstaut das Glas in einem Plastiksack, die Schwester reicht ihm noch einen Laib Brot, den er ebenfalls in die Tasche steckt. Mit dem Essen für sich und seine Angehörigen macht er sich auf den Weg. Es ist Mittag im Brigittenkloster in Grodno. Hier im Westen Weißrusslands betreiben die Schwestern eine Armenküche für die Ärmsten der Stadt. Das Geld für die Armensuppe kommt von der Caritas in Oberösterreich. In einem Raum neben der Ausspeisungsstelle nehmen an drei Tischen Männer und Frauen Platz. Junge und Alte. 20 Minuten haben sie Zeit, um die Suppe zu essen und das Stück Brot. Dann wird der Tisch für die Nächsten gedeckt. 80 bis 200 sind es jeden Tag, die hierher kommen.Wenige Kilometer von Grodno entfernt verläuft die Grenze zu Litauen. Da drüben ist die Europäische Union. Dort müßte es besser sein – denken viele hier.
Die Not der Alten von Kaunas. Kaunas ist neben Vilnius die wichtigste Stadt des jungen EU-Staates im Baltikum. Im zweiten Stock eines nach der Wende der Kirche zurückgegebenen Gebäudes liegen die Räume der Caritas. Einen Teil des Hauses hat man an die staatliche Krankenkasse vermietet. In Litauen gibt es keine Altenheime und kein einziges Pflegeheim. Die Not der Alten ist groß – und vor allem ihre Einsamkeit. Wer keine Großfamilie hat, die sich im Alter um einen kümmert, ist arm dran. Die Caritas betreut und pflegt mit bescheidenen Mitteln, vor allem aber mit dem Engagement von rund 2000 Ehrenamtlichen alte und schwerkranke Menschen. Hilfe bekommt die Caritas hier aus Deutschland und auch aus den Niederlanden. Doch für Direktor Robertas Grigas ist klar: Jetzt, wo das Land bei der Union ist, wird sich die Caritas um Mittel im eigenen Land kümmern müssen.
Caritas gegen Frauenhandel. Zu den besonders Armen in Litauen zählen die Opfer des Frauenhandels und der Prostitution. Was die Caritas hier unter Leitung von Kristina Miscimene leistet, findet international Beachtung. Mädchen aus Waisenheimen werden oft in den Westen verkauft. Man verspricht ihnen den goldenen Himmel. Doch sie landen dort in der Prostitution. Die Caritas hilft solchen Frauen zu einem selbstständigen Leben, vor allem, dass sie in einem echten Beruf Fuß fassen können – und sie macht öffentlich auf diese Opfer aufmerksam.Ein anderer Mitarbeiter der Caritas, Vytautas Ilevisius, hat ein Hilfsnetz für Männer und Frauen in Gefängnissen aufgebaut. Heuer am Vatertag war es erstmals möglich, dass Kinder ihre Väter im Gefangenenhaus besuchen konnten. Ein ehrenamtlicher Besuchsdienst wurde eingerichtet. Die Caritas hilft in den ersten Wochen, wenn jemand aus dem Gefängnis entlassen wird.
Religionsunterricht in der Garage. Zurück in Weißrussland. Lida, eine mittlere Großstadt zwischen Grodno und der Hauptstadt Minsk. Für 100.000 Katholiken gibt es hier vier Pfarren. Gulaj Wladimir ist Pfarrer der Hl.-Kreuz-Kirche. Die Garage hinter dem Pfarrhaus hat er zur Schule umbauen lassen. In Weißrussland ist Religionsunterricht Sache der Pfarren. Nach der Schule am Nachmittag oder am Sonntag kommen die Kinder zum Unterricht. Pfarrer und Ordensschwestern kümmern sich darum. Auch in Weißrussland herrscht Priestermangel. Doch Laien als Katecheten sind nur vereinzelt im Einsatz. Hier gibt es keinen Kirchenbeitrag. Die Kirche lebt von den Spenden – und von der Hilfe aus westlichen Ländern. In der Hauptstadt Minsk gibt es für 300.000 Katholiken nur vier Kirchen. An Sonntagen finden hier vom Morgen bis zum Abend Gottesdienste statt. Erzbischof Tadeus Kondrusieviecz möchte wenigstens eine weitere Kirche bauen. Sein bischöflicher Kollege in Kaunas, Erzbischof Sigitas Tamkevicius, erinnert sich an andere Zeiten. Drei Jahre war er im Gefängnis, drei weitere in Sibirien in Verbannung. „Es waren viele Briefe aus Österreich, die ich damals bekommen habe“, ist er dankbar. Heute ist seine Sorge, dass die Menschen vor allem das Glück im Konsum erwarten und dabei Gott aus den Augen verlieren. Die Kirche Litauens und Weißrusslands will helfen, dass Menschen beides bekommen: Brot und Hoffnung aus der Frohbotschaft.
Die Caritas OÖ. hilftin Weißrussland
1991 ist die Diözese Linz eine Partnerschaft mit der katholischen Kirche in Weißrussland eingegangen. Die Caritas leistet hier nach der Tschernobyl-Katastrophe Aufbauarbeit. Zum Beispiel geht es um die Behandlung krebskranker Kinder, für Menschen mit Behinderungen, ebenso um Hilfe für alte Menschen. Auch Pastorale Projekte werden von Linz aus unterstützt. Von 6. bis 9. Oktober besuchte Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz mit einer Caritas-Delegation die Diözesen Minsk und Grodno, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Auch die Diözese Kaunas in Litauen stand am Besuchsprogramm.