Es gibt Momente, da hält das öffentliche Leben inne. Der Samstag Morgen, als die Nachricht vom Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider durch das Land ging, war ein solcher. Da konnten selbst hart gesottene Politiker, die dem Verstorbenen nahestanden, ihre Tränen nicht zurückhalten – und es ist gut, dass dem so ist. Betroffenheit und auch Trauer über das Fehlen eines Menschen ausdrücken zu können, ist zutiefst menschlich. Tränen lügen nicht – oder nur schwer.Wie gut wäre es, wenn dieses Mitgefühl Früchte brächte: dass Achtung und Respekt schon unter Lebenden Raum und Platz fänden – und dass dies auch für Gegner und für Menschen ohne großen Namen gälte. Mitleid kennt keine Ausgrenzung. Es macht nicht Halt vor nationaler Zugehörigkeit, gilt nicht nur den Heimatbewussten, sondern auch den Heimatsuchenden. Tränen verlangen nach Respekt. Die Tränen der Angehörigen eines Prominenten ebenso wie jene der Angehörigen jener Vorarlberger Verkehrsopfer, die am selben Tag verunglückt sind – und für die nur mehr wenig Platz in den Zeitungen blieb. Die Tränen auch der Abgeschobenen und derer, die um deren Verbleib gekämpft haben. Erlösung ist auch dort, wo Menschen sich von den Besitzansprüchen an das Leben lösen – und Leben teilen.