Ausgabe: 2008/42, Krise, Chance, schwarzer Montag, Hans Baumgartner, Geld, Politik, Marktwirschaft, Arme, Reiche, soziale Regelung, ökologische Regelung, Bankenkrise, Aktien, Kapitalismus
15.10.2008
Auf den „schwarzen Montag“ folgte vergangene Woche an der Börse in Wien auch gleich noch ein „schwarzer Freitag“. Und es ist gut, wenn jetzt über den weltweiten „Finanz-Kapitalismus“ nachgedacht wird. Denn es sind nicht bloß die gierigen Spekulanten und die wenig verantwortungsbewussten Bankmanager, die für die weltweite Krise verantwortlich sind – auch wenn das jetzt viele zum Schutz des eigenen Credos behaupten. Es ist das „korrupte System“, sagt der bekannte deutsche Sozialethiker P. Friedhelm Hengsbach SJ, das zu dieser Krise geführt hat. Eine Krise, die durch ihre Auswirkungen auf die reale Wirtschaft vor allem dazu führen könnte, dass jene, die ohnedies schon wenig haben, noch weiter abrutschen – durch steigende Arbeitslosigkeit, durch fehlendes Geld für soziale Netze, durch das Zurückfahren der Entwicklungshilfemittel.
Jetzt ist die Politik gefordert zu handeln. Dabei sollte man das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Es ist nicht die Marktwirtschaft an sich, die hier versagt hat. Es war der Aberglaube, dass die Ausgleichsmechanismen des Marktes von selber für Entwicklung und einen möglichst breit gestreuten Wohlstand sorgen werden. Zu lange hat man jene überhört, die nach einer sozialen und ökologischen Regelung des Marktes gerufen haben. Zu lange hat man die Zeichen übersehen, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher geworden sind. Jetzt ist es höchste Zeit, nicht nur marode Banken zu retten, sondern das Wohl aller in das Zentrum der Politik zu rücken. Dann ist die Krise eine Chance.