In der nordirakischen Stadt Mossul hat aus Furcht vor der anhaltenden Gewalt gegen Christen innerhalb von wenigen Tagen eine massive Fluchtbewegung eingesetzt. Letzten Meldungen zufolge seien 1000 Familien in von Christen und Kurden bewohnte Kleinstädte der Umgebung geflohen, wo sie in Schulen, Kirchen und Klöstern Zuflucht suchen, sagte der Provinzgouverneur von Ninive, Duraid M. Kashmula. Er machte Anhänger des Terrornetzwerks „Al Kaida“ für die Welle der Gewalt gegen Christen verantwortlich. Innerhalb einer Woche seien in Mossul elf Christen ermordet worden. Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, sprach von einer „Liquidierungs-Kampagne“ gegen die Christen in der nordirakischen Stadt. Sako appellierte an Ministerpräsident Nuri al-Maliki, die Sicherheit der religiösen Minderheiten (Christen, Jeziden, Mandäer) zu garantieren. Al-Maliki habe viel versprochen, aber bisher nichts gehalten: „Wir möchten Lösungen, keine Versprechungen“. Ebenso rief der Erzbischof die US-Besatzungstruppen auf, ihrer Pflicht zum Schutz der Minderheiten nachzukommen. Von den mehr als 30.000 Christen, die vor dem Einmarsch der alliierten Truppen 2003 in Mossul lebten, seien nur maximal die Hälfte geblieben. Ganze Stadtteile seien heute in der Hand von sunnitischen Terroristengruppen oder von „schlichten Kriminellen“, so der Erzbischof.