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Gottesschau

Allerseelen, 2. November 2008
Ausgabe: 2008/44, Sonntag, Gottesschau, Allerseelen, Evangelium, Lesung, Wort zum Sonntag, Totengedenken, Claudia Scherrer, Ahnen, Auferstehung, Seelen
29.10.2008
In Allerseelen steckt die lebendige Hoffnung auf die Auferstehung. Allein der Name sagt viel aus: Wir gedenken aller Seelen, nicht aller Toten. Aller Seelen, die bereits eine Wohnung bei Gott gefunden haben und leben – deren Augen Gott selber schauen.


Evangelium


Joh 14, 1–6

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.


1. Lesung


Ijob 19, 1. 23–27

Da antwortete Ijob und sprach: [. . .] Dass doch meine Worte geschrieben würden, in einer Inschrift eingegraben mit eisernem Griffel und mit Blei, für immer gehauen in den Fels. Doch ich, ich weiß, mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub. Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen. Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.


2. Lesung


Röm 8, 14–23

Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden. Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.



Gott,
Lebendige,


du das Leben selbst,
du hast der Welt Leben
gegeben, hast Steinen,
Pflanzen, Tieren
Leben eingehaucht.
Der Atem deines Lebens
ist spürbar in deiner
Schöpfung.

Gott, Lebendige,
du das Leben selbst,
du hast uns Menschen
das Leben geschenkt.
In jedem Menschenkind
lodert die Flamme
deines Lebens.
Das Feuer deiner Liebe
ist spürbar in jeder
kleinen Seele.

Gott, Lebendige,
du das Leben selbst,
du hast uns Menschen
berufen für das Leben
Sorge zu tragen.
Durch unsere Ahnen
haben wir das Leben
erhalten und es unseren
Kindern weitergegeben.
Spuren deines Lebens
finden sich in jeder und
jedem von uns.

CLAUDIA SCHERRER, GEBET ZUR TAUFE IHRER TOCHTER.



Wort zum Sonntag


Totengedenken – das Leben bedanken

Tod, Nebel, kalt, Wind, Friedhof, harte Kirchenbank. Nicht gerade einladend, was mir zu Allerseelen als erstes einfällt. Tod und Sterben gehen wir im Leben nach Möglichkeit aus dem Weg. Doch seit in meiner Familie zwei neue Seelen das Licht der Welt erblickt haben, verbinde ich auch mit dem jährlichen Friedhofsbesuch zu Allerheiligen und Allerseelen eine neue Qualität. Beim Denken an verstorbene Familienmitglieder werden schöne und schmerzliche Erinnerungen wach. Vielleicht wird die Lücke, die sie hinterlassen haben, erneut kummervoll ins Bewusstsein gerufen oder ungelöste Probleme kehren mit einem „schlechten Gewissen“ zu uns zurück. Vielleicht macht sich die Erkenntnis breit, vom Uropa oder der Uroma eigentlich nicht viel zu wissen. Was wir von unseren Vorfahren in jedem Fall erhalten haben ist das größte Geschenk überhaupt, das Leben. Auch Menschen, mit denen wir geistig und seelisch verbunden waren, haben uns von ihrem Leben geschenkt und unser Leben reich gemacht. Wir können es annehmen und Ja zu unserem Leben sagen, so wie es unsere Eltern und Großeltern taten.
Allein der Name „Allerseelen“ sagt viel aus: Wir gedenken aller Seelen, nicht aller Toten. Aller Seelen, die bereits eine Wohnung bei Gott gefunden haben und leben. „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ – „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten“ (Joh 14, 2). In Allerseelen steckt die lebendige Hoffnung auf die Auferstehung. Das Feuer der Liebe Christi leuchtet auf und ich weiß auch meine Seele aufgehoben in der übergroßen Liebe unseres Gottes. Allerseelen bedeutet für mich persönlich: Aller Seelen gedenken, die mein Leben und das Leben unserer Tochter vorbereitet haben. Das tue ich in Dankbarkeit.

Zum Weiterdenken

Habe ich schon einmal nachgeforscht, von wem aus meiner Ahnenreihe ich das eine oder andere Talent, die eine oder andere Vorliebe geerbt habe? Gibt es jemanden in meiner Ahnenreihe, dem ich besonders meine guten Gedanken schicken möchte?


Claudia Scherrer
ist Geistliche Assistentin der Kath. Frauenbewegung (kfb) in Oberösterreich, Pastoralassistentin in Karenz und hat eine Tochter.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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