Am Beginn des Films sieht man eine Gelddruckmaschine, die serienweise Scheine produziert. So wird Geld gemacht! Wird so wirklich Geld gemacht? Der aufrüttelnde Film „Let´s make money“ wirft einen Blick auf die internationalen Finanzmärkte.
Am Ende des Films erkennt man – erst spät, weil die Kamera so nahe ist –, eine Arbeiterin in einer Nähfabrik. Die Film-Montage lässt keine Zweifel offen: Damit die Gelddruck-maschine in Gang gesetzt werden kann, muss gearbeitet werden. Dafür bezahlen der spanische Bauarbeiter, der afrikanische Bauer oder der indische Arbeiter, wie der Film in weiterer Folge nachweisen wird, mit ihrem körperlichen Einsatz – nur dass sie von dem Geld nichts zu Gesicht bekommen.
Blinde Gutgläubigkeit. Mehr als drei Jahre hat der österreichische Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer – bekannt durch seinen Film ,We feed the world‘ – an seinem neuen Film gearbeitet. Dass dieser gerade jetzt, da die weltweiten Finanzmärkte kollabieren, ins Kino kommt, mag nur für jene erschreckend und überraschend sein, die in blinder Gutgläubigkeit an die „selbstregulierenden“ Kräfte des neoliberalen Marktes geglaubt haben oder noch immer glauben.
Die Spur des Geldes. Wagenhofer folgt der Spur des Geldes von einem Ort zum anderen, indem er sich permanent von der Ersten in die Dritte Welt und umgekehrt bewegt. Zu sehen sind Unternehmer, die in Indien das schnelle Geld suchen, Baumwollarbeiter/innen in Burkina Faso, die für einen Hungerlohn arbeiten müssen. Dann befinden wir uns plötzlich auf den englischen Kanalinseln, die von vielen Konzernen als Steueroase genutzt werden. Auf Jersey, so erweckt zumindest ein Spaziergang durch die Hauptstadt den Eindruck, kommt auf jeden Einwohner eine Bank.
Geldhaie auf der Jagd. Das Driften zwischen den Ländern und Kontinenten scheint beliebig, erweist sich aber als die passende Darstellungsweise für das Funktionieren der globalen Märkte: keine fixen Territorien, keine zentralen Orte, an denen das nur noch virtuell erscheinende Geld greif- und sichtbar wird. Besonders beeindrucken jene Sequenzen, die die Geldhaie auf ihren Jagdzügen durch potentielle Märkte begleiten. In den Luxuslimousinen und Fitnessräumen werden deren Lebensentwürfe, die auf einem permanenten Unbehaustsein beruhen, deutlich. Schon ihre Sprache wirkt entwaffnend. Ihr ganzes Verhalten entspricht der „Korrosion des Charakters“, wie es Richard Sennett in seiner „Kultur des neuen Kapitalismus“ so genau beschrieben hat.
Das Geld und die Angst. Wenn man sich vorstellt, dass Banken, Versicherer und Pensionsfonds das viele Geld an solche Leute verborgen, muss einem mehr als Angst überkommen. Wagenhofers Film spricht diese Angst mit einer Deutlichkeit an, die klar zu erkennen gibt, dass die Finanzkrise unweigerlich eine Gesellschaftskrise zur Folge hat. Wagenhofers Film ist eine nüchterne Bestandsaufnahme der weltweiten Finanzmärkte: ihrer Macher, ihrer Gewinner und Verlierer.
- Erwin Wagenhofer kommt am 31.10. um 18 Uhr zur Film-Premiere ins Linzer Moviemento.