„Religion ist Privatsache . . .“, wird im Streit um das Kreuz in Kindergärten argumentiert. Stimmt. „. . . und hat daher im staatlichen Raum nichts verloren“, wird weiterargumentiert. Und damit hat sich das Argument ins gefährliche Gegenteil verkehrt. Niemandem würde einfallen, so beim Thema Privat-eigentum zu argumentieren. Religion hat – wie alles, was mit menschlichen Beziehungen zu tun hat – eine höchst persönliche und zugleich eine höchst öffentliche Seite. Gesellschaften, die den Glauben der Menschen ausschließlich in das Private sperren wollen, sind ebenso inhuman wie jene, die das Volk auf Staatsreligionen verpflichten. Kreuzzug-Zeiten zählen zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte. Ebenso jene, in denen religiöse Symbole mit Füßen getreten wurden und werden. Behutsamkeit ist angesagt. Moderne Religionspädagogik lässt die Leute längst nicht mehr zu Kreuze kriechen. Sie stärkt die Widerstandskraft Vordergründigem gegenüber. Sie macht stark gegen die falschen Propheten des Konsums, die Kinder von klein auf zurechtbiegen wollen, damit sie konsum- und wirtschaftstauglich werden. Das Kreuz sagt: Der Leidende, der Kranke, hat unendlichen Wert. Einer wie der am Kreuz steht in der Mitte. Ein Wehrloser.