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Orte der Begegnung

Weihetag der Lateranbasilika – Fest, 9. November 2008
Ausgabe: 2008/45, Weihetag der Lateranbasilika, 9. November, Tempel, Basilika, Kirche, Haus für Gott, Gotteshäuser, Paulus, Tempel Gottes, Claudia Scherrer, Josef Dirnbeck, Johannes, Korinther, Kirchen bauen, Wort zum Sonntag, Waldkapelle, Gotteserfahrung, Gottesb
05.11.2008
Ein Haus für Gott zu bauen, damit er/sie unter uns wohne – wie kann das auf rechte Weise geschehen? Tempel, Basilika, Kirche . . . viele Gotteshäuser gab und gibt es im Laufe der Geschichte. Mit Christus als Fundament sieht Paulus in jedem Menschen einen Tempel Gottes in dieser Welt, einen Ort der Gotteserfahrung und Gottesbegegnung.


Evangelium


Joh 2, 13–22

Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.


1. Lesung


Ez 47, 1–2. 8–9. 12

Dann führte er mich zum Eingang des Tempels zurück und ich sah, wie unter der Tempelschwelle Wasser hervorströmte und nach Osten floss; denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten. Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab, südlich vom Altar. Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus und ließ mich außen herumzum äußeren Osttor gehen. Und ich sah das Wasser an der Südseite hervorrieseln. [. . .] Er sagte zu mir: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund. Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können, und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden (die Fluten) gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben. [. . .] An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub wird nicht welken, und sie werden nie ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen sie frische Früchte; denn das Wasser des Flusses kommt aus dem Heiligtum. Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen.


2. Lesung


1 Kor 3, 9c–11. 16–17

Ihr seid [. . .] Gottes Bau. Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. [. . .] Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.



Den Glauben weitergeben


Nicht wie ein gut verschnürtes Paket
sollen wir den Glauben weitergeben,
sondern wie ein Licht,
das andere Lichter entzündet.

Josef Dirnbeck, Von allen Seiten umgibst du mich. Meditationstexte.



Wort zum Sonntag


Kirchen bauen leicht gemacht

Ich habe schon in vielen Kirchen gebetet.
In der gotischen Kirche meiner Mühlviertler Heimatgemeinde, in der Basilika in Mariazell, vorübergehend im Saal eines Volkshauses oder in einem Pfarrheim. Gelegentlich in einer kleinen Waldkapelle oder mit meiner Pfarrgemeinde in der „Kirche in der Tuchfabrik“ in Linz.
Noch öfter habe ich auf der Straße, in der Straßenbahn, bei meiner Arbeit, beim Bügeln, beim Warten und Bangen oder beim Mich-Freuen gebetet. Sozusagen an Ort und Stelle bin ich in meine innere Kammer gegangen und habe mit Gott geredet. Da werde ich zum Tempel Gottes, so wie es Paulus beschreibt: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3, 16) Betrachte ich die vielen Menschen um mich herum, dann sehe ich in jeder Frau und jedem Mann, in jedem Kind und jedem Jugendlichen einen einzigartigen Tempel Gottes. Gottes Geist wohnt in der innersten, allerheiligsten Kammer jedes Menschen. Eine Begegnung von Mensch zu Mensch kann so zu einer Gotteserfahrung werden. Dabei fasziniert mich die unglaubliche Vielfalt der „Menschentempel“. Betrachte ich die Baustile verschiedener Zeiten, wird mir klar, wie sehr sich die Außen- und Innenansichten der Kirchengebäude verändert haben. Kirchen drücken das Gottesbild der jeweiligen Zeit aus und entsprechen dem Lebensgefühl der Menschen damals. Kirchenbauten waren oft richtungweisend und haben neue Trends gesetzt. Dabei hat sich eines nicht geändert: Kirche als Ort, an dem Gott erfahren wird.
Die Umsetzung einer einzigartig neuen Idee mit viel Fantasie und einer großen Liebe zum Detail, das ergibt die bunte Kirche, die Gott auch durch dich und mich verwirklichen will. Ich als Tempel Gottes, das ist weder selbstverständlich noch habe ich es mir ausgesucht.
Ich erkenne es als Geschenk und Aufgabe.

Zum Weiterdenken

Mein Leib ist Tempel Gottes. Was kann ich mir, meiner Seele und meinem Körper Gutes tun, damit ich einem Tempel Gottes zur Ehre gereiche? Wie kann ich Gott in anderen erkennen?


Claudia Scherrer ist Geistliche Assistentin der Kath. Frauenbewegung (kfb) in Oberösterreich, Pastoralassistentin in Karenz und hat eine Tochter.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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