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Aufregende Kunst: „Sie spricht den ganzen Menschen an“

Die Autobiografie von Prof. Günter Rombold ist kürzlich erschienen.
Ausgabe: 2008/45, Rombold, Kunst, Autobiografie, Kirche, Riedl
07.11.2008
- Elisabeth Leitner
Die christliche Botschaft und die Kunst der Gegenwart: von beiden ist Prof. Günter Rombold fasziniert. Die Kirche an die Kunst heranzuführen, war eines seiner Ziele – die Saat ist aufgegangen. „Es gibt Fortschritte“, sagt der Priester und Kunstförderer rückblickend.

Kunst und Kirche in der Diözese Linz: Was hat sich ihrer Meinung nach getan?
Günter Rombold: Die Menschen haben einen Entwicklungsprozess durchgemacht. Die Aufgeschlossenheit ist größer geworden. Im Großen und Ganzen gesehen würde ich sagen: Es gibt Fortschritte! Man darf sich aber nicht erwarten, dass sich alle für Kunst interessieren. Es gibt Menschen, die mehr Zugang zur Alten Kunst haben, andere wiederum zur Kunst der Gegenwart. Beides hat seinen Stellenwert. Ein Leben ohne Konflikte wird es nie geben und die moderne Kunst ist „aufregend“: Kunst spricht eben den ganzen Menschen an – auch sein Gefühlsleben und nicht nur den Intellekt.

Wenn Sie an ihre Kindheit denken, was war für Sie prägend?
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Kunst eine große Rolle gespielt hat. Ich verdanke meinen Eltern und meinem Onkel Max Fischer, einem Kunstfreund, sehr viel. Eine Bekannte hat einmal zu mir gesagt: „Du warst klug in der Auswahl deiner Eltern.“

Sie sind nach Oberösterreich gekommen und waren damals völlig unbekannt. Wie waren die Anfänge?
Mit meiner Begeisterung für Kunst bin ich hier zunächst auf wenig Verständnis gestoßen. Ich war als junger Priester im Kunstrat, dort bin ich aber meistens überstimmt worden. Langsam hat sich im Umgang mit Kunst etwas geändert – in Oberösterreich sind dann in den 1970er Jahren viele bedeutende Kirchenbauten bzw. Arbeiten im Sakralraum entstanden: die Glasfenster von Markus Prachensky in Enns, die Teppiche von Fritz Riedl für die Pfarre Linz-Hl. Geist, der Bau der Kirche in Langholzfeld durch Architekt Ernst Hiesmayr und Künstler Karl Prantl.

Msgr. Otto Mauer hat junge Künstler/innen gefördert, Kirche mit Kunst konfrontiert. Inwiefern war er für Sie bedeutsam?
Otto Mauer war wichtig für mich. Er hat es anfänglich auch sehr schwer gehabt. Durch ihn habe ich gesehen, dass man beide Stränge – die christliche Botschaft und die Kunst – verbinden kann. Mir war immer wichtig, diese Spannung auszuhalten und zu fragen, wie verhalten sich Kunst und Kirche zueinander. Ich wollte nicht die Kunst vereinnahmen, sondern die Kirche an die Kunst heranführen.

Welche Aufgabe hat die Kirche heute?
Ich will, dass die Kirche in die Gesellschaft hineinwirkt, dass sie ein kultureller Faktor ist und sich nicht ständig mit sich selbst beschäftigt. Kirche als Kulturfaktor zu verstehen heißt aber auch, sich nicht damit zu begnügen, „schlechte“ Kunst hereinzulassen. Es geht um qualitätsvolle Kunst, die auf der Höhe der Zeit ist.

Wenn Sie die Diözese Linz als Teil der Kirchenlandschaft im deutschen Sprachraum betrachten, was fällt Ihnen da besonders auf?
In Oberösterreich sind in den vergangenen Jahren herausragende Kirchen gebaut worden: etwa die „Kirche in der Tuchfabrik“ in Auwiesen, Wels-St. Franziskus, Steyr-Resthof und die Pfarrkirche in Gallspach. Gelungen ist auch die Renovierung in Gallneukirchen. Es ist ungewöhnlich, dass in Oberösterreich noch gebaut wird, während in Deutschland Kirchen abgerissen und verkauft werden.


Zur Person

Die druckfrische Autobiografie von Günter Rombold „Im Spannungsfeld zwischen Kunst und Kirche“ berichtet von einer doppelten Faszination: jener durch die christliche Botschaft und der zweiten durch die Kunst der Gegenwart. Beide Faszinationen sind ursprünglich getrennt voneinander entstanden, im Laufe der Zeit aber in eine intensive, wenn auch zuweilen konfliktreiche Beziehung getreten. Der Autor Günter Rombold ist 1925 in Stuttgart geboren, kam 1941 nach Österreich und wurde nach den bitteren Jahren des Kriegsdienstes 1949 zum Priester geweiht. Es folgte eine lange Tätigkeit als Kaplan und Religionslehrer, bis er an die Katholisch-Theologische Hochschule in Linz (heute Privatuniversität) berufen wurde; dort konnte er ein Institut für Kunst gründen. Als Redakteur der „christlichen Kunstblätter“ und ab 1971 von „Kunst und Kirche“ – der ersten ökumenischen Zeitschrift im deutschen Sprachraum – brachte er immer wieder spannende Themen aufs Papier. In Wort und Schrift, in der Begegnung mit Künstlern und ihren Werken widmete er sich der Aufgabe, den Menschen die Augen zu öffnen.

- Günter Rombold: Im Spannungsfeld zwischen Kunst und Kirche. Ein außergewöhnliches Leben, Wagner Verlag 2008, Preis: 12 Euro.

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