Reichskristallnacht. Mit diesem Begriff verbindet man seit der Nacht von 9. auf 10. November 1938 nicht nur das Bersten von Glas in jüdischen Synagogen oder Geschäften. Es war ein Dammbruch der Unmenschlichkeit. Am 9. November gedenkt Oberösterreich dieses Ereignisses. Auch in Linz brannte die Synagoge.
In den katholischen Pfarren Oberösterreichs wird am kommenden Sonntag, 9. November, im Gedenken an die Reichskristallnacht gebetet.
9. November, 9.30 Uhr, Linz-Marcel Callo. Die Katholische Aktion lädt zu einem Bedenkgottesdienst in die Linzer Pfarre Marcel Callo ein. Am 9. November, 9.30 Uhr, wird Dr. Irmgard Aschbauer die Ereignisse in Erinnerung rufen. Die Katholische Aktion möchte dabei die Wurzeln des Christentums im Judentum besonders hervorheben. Es dürfe nicht übersehen werden, „dass es auch heute noch Formen von Antisemitismus, Intoleranz und Menschenfeindlichkeit gibt”, heißt es in einer Aussendung der Katholischen Aktion.
9. November, 19 Uhr, Linzer Synagoge. Am Abend des 9. November, 19 Uhr, lädt der Verein „Wider das Vergessen“ zu einer Gedenkfeier in die Synagoge in Linz ein. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dipl. Ing. George Wozasek, Bischof Dr. Ludwig Schwarz und Superintendent Dr. Gerold Lehner werden sprechen. Dabei werden Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy aus den Oratorien Paulus und Elias zur Aufführung gebracht. Der Verein „Wider das Vergessen“ hat sich um die Erhaltung der an den Nazi-Terror erinnernden Gedenkstätten angenommen und möchte diese im öffentlichen Bewusstsein halten. So wurde der jüdische Friedhof im südböhmischen Rosenberg vor dem Verfall bewahrt. Dort wurden bis 1860 auch die oberösterreichischen Juden bestattet.
6. November, 17 Uhr, Steyr, Jüdischer Friedhof, Gedenkfeier für alle Opfer des Holocaust, Enthüllung eines Denkmals.Am 70. Jahrestag der Auflösung der Israelitischen Kultusgemeinde Steyr durch die Nationalsozialisten (1. Oktober 1938) wurde die Steyrer Synagoge unter Denkmalschutz gestellt. Diese ist die einzige erhaltene Synagoge in Oberösterreich. Sie blieb so erhalten, weil sie schon im September 1938 arisiert worden ist. Die Initiative zur Unterschutzstellung hat 2006 das Mauthausen-Komitee Steyr ergriffen. Dessen Antrag an das Bundesdenkmalamt haben viele Organisationen und Privatpersonen unterstützt, auch die Israelitischen Kultusgemeinden Linz und Wien, das OÖ Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus sowie das Dekanat Steyr. Das Bundesdenkmalamt hat dem Gebäude hohen Seltenheitswert zugesprochen: „Auch wenn der Bau nicht als Synagoge errichtet wurde, kommt ihm mit dieser Nutzung hoher Seltenheitswert und geschichtliche und kulturelle Bedeutung zu.“ Es wird vermutet, dass noch weitere Aufschlüsse über die Gestaltung eines jüdischen Betraums in der Zeit zwischen 1894 und 1938 möglich sind. Das Mauthausen-Komitee Steyr feiert am 6. November um 19.30 Uhr im Museum Arbeitswelt sein zwanzigjähriges Bestehen. Dabei wird die Festschrift „Erinnern und gedenken. 20 Jahre Mauthausen-Komitee Steyr“ präsentiert.
10. November 1938, 4.30 Uhr
Angehörige der SA-Gruppe Alpenland hatten die Linzer Synagoge in der Nacht von 9. auf 10. November um 4.30 Uhr morgens in Brand gesteckt, nachdem sie zuvor noch Wertgegenstände entfernt und benachbarte Objekte „gesichert“ hatten. Offiziell wurde der Brand erst über eine Stunde später gemeldet. Das Verzögern der halbherzigen Löschmaßnahmen wurde so vertuscht.