Jahrtausendelang wurden Wagenräder aus Holz gebaut. Auch die ersten Autopioniere hatten es Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht wesentlich komfortabler, sie holperten mit eisenbeschlagenen Holzrädern über das Kopfsteinpflaster. Wenig später wurden sie zwar durch Vollgummireifen ersetzt, das Reisen wurde dadurch aber nicht wesentlich bequemer.
Wahrscheinlich hatte der Schotte Robert William Thomson seine Idee vom Luftreifen ein paar Jahre zu früh. Er band zunächst aufgeblasene Tierdärme, dann Gummischläuche um das Rad und meldete diese Erfindung 1846 als Patent an. Wie aus den Dokumenten hervorgeht, hatte er dabei drei, noch heute gültige Vorteile im Visier: niedriger Rollwiderstand, Vibrationsdämpfung und Geräuschminderung. Da aber zu dieser Zeit Fahrräder wenig verbreitet und Autos erst im Erfinderstadium waren, geriet Thomson samt seinen Luftreifen in Vergessenheit. Dafür war John Boyd Dunlop umso erfolgreicher, obwohl seine Erfindung eigentlich nur auf einem Zufall beruht. Er stattete das Dreirad seines Sohnes mit luftgefüllten Reifen aus, damit es der Junior leichter bewegen konnte. Zu diesem Zeitpunkt kannte man aber schon das Pedal-Fahrrad und die Deutschen Benz und Daimler erprobten ihre ersten Automobile. Auf Dunlops Erfindung wartete also ein zukunftsträchtiger Markt.
Es folgten unzählige Weiterentwicklungen, zunächst wurde die Klebeverbindung zwischen Rad und Reifen durch umgebogene Felgen und dicke Wülste ersetzt und das Ventil wurde erfunden. Nun gab es Ersatzreifen, die man extra kaufen und selber montieren konnte. Zur Jahrhundertwende bekamen die bisher glatten Reifen erstmals ein Profil und erst seit 1904 sind die Reifen so schwarz wie heute: Um die Festigkeit und Lebensdauer zu steigern, wurde Ruß ein wichtiger Bestandteil der Gummimischung. Reifen sind in der Zwischenzeit zu technologischen Spitzenprodukten geworden, die – mit optimalem Druck und bei richtiger Lagerung – Sicherheit und Komfort bieten.