Der Trend geht europaweit zu einem bewussteren Umgang mit Essen. Das sollte auch der heimischen Landwirtschaft helfen.
Woher ein Lebensmittel kommt – und wie es erzeugt wurde –, das ist für die Europäer noch wichtiger als sein Preis. Agrar-Landesrat Josef Stockinger zeigt sich über die Ergebnisse des „European Food Trends Report“ erfreut. Die Schweizer Studienautorin Mirjam Hauser erläuterte am 19. Jänner in Linz die Trends: Das Vertrauen der Leute sei an einem Tiefpunkt angelangt. Lebensmittelskandale hätten den Europäern den Appetit gründlich verdorben. Für gute Nahrungsmittel wären sie zunehmend bereit, auch mehr zu bezahlen. Die Zeit der Billig-Lebensmittel sei ohnehin vorüber, meint die Expertin.
Bodenständigkeit gefragt. Eine Rückbesinnung auf die landwirtschaftlichen Wurzeln bahnt sich an, ist Hauser überzeugt. In Zukunft würden die Menschen bewusster, aber weniger essen, und es würde weniger Verschwendung geben. „Essen soll nicht nur gesund sein, sondern vermehrt auch moralische Erwartungen zufriedenstellen.“ Was man in Europa für Ernährung ausgibt, ist sehr unterschiedlich: Während die Slowaken mehr als ein Viertel ihres Einkommens für Essen aufwenden müssen, gibt man in Österreich nur 12 Prozent für Lebensmittel aus. Zentraleuropäer wären auch zunehmend skeptisch gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln. „Gentechnisch veränderte Lebnesmittel liegen keineswegs im Trend, außer in England“, bestätigt Hauser. Auch politisch beginnt ein Umdenken, meint Stockinger. Bayern vertrete inzwischen den Verzicht auf genveränderte Lebensmittel. Zunehmen wird auch die kulturelle Bedeutung des gemeinsamen Essens. Für Gaststätten liege hier eine Chance, zu Drehscheiben des Gemeinschaftserlebnisses zu werden.