In vielen Städten werden Jugendliche an den Rand gedrängt. Wieso aber gerade junge Leute den öffentlichen Raum brauchen, erklärt der Wissenschafter Joachim Hainzl.
Solar City im Süden von Linz. In dem neu errichteten Stadtteil haben über 3000 Menschen eine Heimat gefunden. Besonders viele junge Familien mit kleinen Kindern haben die grüne Umgebung und die zahlreiche Kinderspielplätze hier angezogen. „Die Leute sind aber ratlos, wenn man sie fragt, was ihre Kinder machen sollen, wenn sie etwas älter sind“, erzählt Mag. Joachim Hainzl. Der Grazer Sozialpädagoge und Sozialhistoriker hat im Vorfeld des Festivals der Regionen (siehe Kasten) den öffentlichen Raum in der Solar City unter die Lupe genommen. „Es gibt hier kaum Angebote für Jugendliche“ ist Hainzls nüchternes Urteil. Dabei zeigt das Beispiel der Solar City auch gut, wie vorbildliche Jugendarbeit eigentlich gestaltet werden könnte. Denn die ursprünglichen Planungen sahen vielversprechend aus. Viele kleinstrukturierte und dezentrale Angebote für verschiedenste Neigungen sollten für die jungen Leute in der Musterstadt entstehen, zitiert Hainzl ein städtisches Konzept aus dem Jahr 1997.
Mangelnde Umsetzung. Daraus geworden sind nur ein Sportpark und ein einziger Jugendraum. Das reiche aber bei Weitem nicht aus, meint Hainzl: „Man stelle sich vor, man macht ein Lokal für 44- bis 53-jährige und sagt: die haben eh alle die gleichen Interessen, egal ob arm oder reich, Männer oder Frauen. Die alle in einen Raum zu geben, auf die Idee käme keiner.“ Bei Jugendlichen würde man aber genau das tun: „Wir haben hunderttausend Theorien über Leute, die wir eigentlich nicht kennen“, kritisiert Hainzl. „Jede Planung die die Jugendlichen ausschließt ist zum Scheitern verurteilt. “
Platz schaffen. Dass Jugendliche generell eigene öffentliche Räume brauchen, ist für Joachim Hainzl klar. Denn diese könnten nicht wie Erwachsene über eigene (Wohn-)Räumlichkeiten verfügen. „Die öffentliche Hand muss deshalb hier Platz schaffen.“ Das kostet Geld, verhindert aber, dass ganze Stadtteile zu Problemvierteln werden. „Wenn sich von den Jugendlichen, für die es keine Räume und Angebote gibt, nur 10 Prozent auffällig verhalten, wird das problematisch“, prophezeit Hainzl. Wobei es in der Solar City schon jetzt vorkommt, dass junge Leute pauschal kriminalisiert werden. Sie dürfen sich im Gegensatz zu Erwachsenen nicht einfach so im Volkshaus Solar City aufhalten. „Nur weil jemand, der ebenfalls einmal jung war, einmal etwas angestellt habt“, prangert der Wissenschaftler diese Diskriminierung an: „Offenbar gehören die Jugendliche nicht zum Volk“.
Festival
Das Gespräch mit Joachim Hainzl ist Teil der Veranstaltungsreihe „Der öffentliche Raum der Stadt“. Die Reihe findet im Vorfeld des Festivals der Regionen statt, das von 9. Mai - 1. Juni 2009 in Auwiesen und der Solar City über die Bühne geht.