Ausgabe: 2009/04, Armut, Österreich, Sozialstaat, Arbeitslosenversicherung, Sozialversicherungsleistung, Franz Küberl, Mindestsicherung, Armutszeugnis, Östereich, Politik
21.01.2009
Österreich ist ein Sozialstaat. Ist es das? Der aktuelle „Armuts- und Reichtumsbericht für Österreich“ führt uns jedenfalls deutlich vor Augen, dass in unserem Land eine Million Menschen in armutsgefährdeten Haushalten leben – eine Million Menschen! Und die Armutsgefährdung ist seit Jahren unverändert hoch. Damit aber nicht genug. Bis zu zwei Millionen Menschen haben hierzulande massive Probleme, überhaupt mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen. Und das trotz Arbeitslosen- und Sozialversicherungsleistungen. Es gibt auch immer mehr Menschen, die einen Arbeitsplatz haben (die so genannten „working poor“) und trotzdem arm sind. Nach wie vor besonders von Armut gefährdet sind Haushalte mit Kindern – daran haben auch die verschiedenen Familienleistungen bis jetzt nichts ändern können. Vermögen, Reichtum und Einkommen nehmen hingegen deutlich zu. Das ist ein Skandal. Das darf nicht sein – noch dazu in einem der reichsten Länder der Welt. Für Caritas-Präsident Franz Küberl sind die Ergebnisse des Berichts zu Recht ein „Armutszeugnis für Österreich“. Damit die Schere zwischen Arm und Reich in Österreich nicht noch weiter auseinanderklafft, müssen die Politiker und Politikerinnen im Land endlich handeln und effektive Modelle entwickeln und umsetzen, die die Österreicherinnen und Österreicher nachhaltig vor Armut schützen. Beispiele dafür wären etwa, die schon längst fällige bedarfsorientierte Mindestsicherung umzusetzen oder die Steuern auf Vermögen und Vermögenseinkommen zu erhöhen.