Verhaltensauffällig oder angepasst, flexibel oder schwerfällig – Gott nimmt Menschen an, so wie sie sind. Jona ist dazu ein beredtes Beispiel. Wer die kleine Geschichte Jonas ganz liest, begegnet einem engstirnigen Mann, der sich mit dem Ruf Gottes schwer tut. Erst läuft er davon, dann fühlt sich schuldig, landet in dumpfer Dunkelheit, macht in größter Not Versprechungen, die eingefordert werden. Also tut Jona doch, was Gott ihm aufträgt, und schon ist es wieder vorbei mit dem guten Willen, Zorn und Unzufriedenheit nagen in ihm. Gottes unendliches Erbarmen und Heil gilt allen Menschen, das muss auch Jona lernen.
1. Lesung
Jona 3, 1–5. 10
Das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona: Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie es der Herr ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott, man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. [. . .] Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus.
2. Lesung
1 Kor 7, 29–31
Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.
Evangelium
Mk 1, 14–20
Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! [. . .] Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.
Zeige mir deine Wege
lehre mich deine Pfade! Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heiles. Auf dich hoffe ich allezeit.
aus psalm 25
Wort zum Sonntag
Mach dich auf den Weg!
Ein Erstklässler hatte mich im Dezember in der Religionsstunde gefragt: „Weshalb braucht Gott immer Leute, die den anderen helfen? Warum zaubert er nicht selber?“ Vielleicht schienen ihm die Geschichten von Martin, Elisabeth, Barbara und Nikolaus nicht „echt“ zu sein. Eine derartige Begeisterung für Jesus und das große Engagement für die Mitmenschen erwiesen sich für den kleinen Buben als fragwürdig.Ich habe innerlich gejubelt über das Kind, das zuhört, nachdenkt und Fragen stellt, und ich habe der Klasse erzählt, dass Gott sich freut, wenn wir durch unser Gutsein die Welt bunt und schön gestalten und dass er jede und jeden von uns wirklich braucht, denn unser Gott will kein Zauberer sein. Für meinen Erstklässler war die Sache vorerst erledigt. Mir ist bewusst geworden, welche Ehre es für uns ist, als Mensch von Gott gerufen und gesandt zu sein. Und was ich besonders tröstlich finde: Gott nimmt uns an, wie wir sind: angepasst oder verhaltensauffällig, flexibel oder schwerfällig. Die Geschichte von Jona ist ein Beispiel dafür. In der heutigen Lesung hat Jona seinen guten Tag. Er tut das, was Gott ihm aufträgt und bewahrt Ninive vor dem drohenden Unheil. Wenn wir die gesamte Jonageschichte lesen und die Sprachbilder auf uns wirken lassen, dann begegnet uns ein Mann, der sich mit dem Ruf Gottes schwer tut. Er läuft davon, er fühlt sich schuldig, er landet in dumpfer Dunkelheit und macht in größter Not Versprechungen, die dann eingefordert werden. Er tut, was Gott ihm aufträgt (siehe Lesung), doch dann ist es auch schon wieder aus mit dem „guten Tag“. Angesichts der Rettung der Stadt melden sich Zorn und Unzufriedenheit über das verzeihende Handeln Gottes. Jona braucht viel Zeit für seinen inneren Weg, die Geschichte bietet kein Happy-End; sie ist ein Zeugnis für die große Geduld Gottes, die Gott nicht nur für Jona hat!
Zum Weiterdenken
Welche Strategien sind für mich hilfreich, um aus unerfreulichen Stimmungen heraus-zukommen? Vertraue ich darauf, dass Gott auch heute Geduld aufbringt, wenn er unseren Widerstand spürt?
Gertraud Lässer, Religionslehrerin, geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Feldkirch.