Tee ist bei den Marienschwestern mehr als ein Getränk
Ausgabe: 2009/04, Marienschwestern, Steiner, Deinhofer, Pointinger, Tee, Getränk
27.01.2009
- Josef Wallner
Gott weiß, was uns gut tut. Davon ist die Marienschwester vom Karmel Anna Pointinger überzeugt. Auch Tee tut gut – und bei Tee und Kräutern kennt sich Sr. Anna gut aus. Die heilende Zuwendung Gottes kommt darin zum Ausdruck. Die Kneipp-Tradition, aber auch dass Mitschwestern aus Tee-Regionen, aus Indien und Afrika, zum Orden gehören, ließ sie zur Expertin werden in Sachen Tee.
Kosmetik aus dem Kloster
Sr. Anna Pointinger mischt aus ihren Kräutern nicht nur Tee, seit Kurzem produziert sie auch Kosmetik. „Mein neues Hobby“, meint sie verschmitzt und wartet lächelnd auf die Frage, die nun unausweichlich kommt: wie Ordensfrau und Schönheitsprodukte zusam-men passen. Die Antwort geben die Konsumentinnen und Konsumenten: Sr. Annas Kosmetik-Linie wird gekauft. Bei den Klostermärkten, wo sie ihre Erzeugnisse anbietet, erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Ihr Renner sind die „Labello-Stifte“ in vier Geschmacksrichtungen – für die „sanfte Lippenpflege“, wie an den Röhrchen zu lesen ist. Weiters hat sie noch drei verschiedene Balsame im Programm. Unter anderem den Drei-Blätter-Balsam für müde Füße. „Man kann damit natürlich keine Krampfadern-Operation ersetzen, aber er erfrischt.“ Wenn Sr. Anna erzählt, wie sie ständig ihre Produkte verbessert, spürt man, dass sie mit ganzem Herzen bei ihrem Hobby ist. Und bei den Menschen in Uganda. Denn der Verkaufserlös ihrer Kosmetik geht an die Missionsstation der Marienschwestern.
Schwester Anna macht den Tee
Mit geheimen Klostermischungen kann Sr. Anna Pointinger nicht aufwarten. Ihre Kräutertees schmecken dennoch hervorragend. Das einzige Geheimnis, das für die Marienschwester im Tee steckt, ist der Hinweis auf Gott: „Er weiß, was uns gut tut.“
Dass in einer Ordensgemeinschaft wie den Marienschwestern, die Kneipp-Kurhäuser betreibt, Tee eine wichtige Rolle spielt, ist selbstverständlich. Doch bei Sr. Anna Pointinger geht die Beziehung tiefer. Sie hat den Tee für sich persönlich entdeckt. Dazu gehört nicht nur das Genießen der wohlschmeckenden und wohltuenden Mischungen, sondern auch das Herstellen des Tees, beginnend beim Sammeln und Trocknen der Pflanzen und Blätter.
Familie hat Achtung vor der Natur. Sr. Annas Verbundenheit mit der Natur ist eine Mitgift ihrer Familie: „Mein Opa hat Farne in Schnaps angesetzt und Tinkturen hergestellt, mit denen er uns einrieb, wenn wir uns bei Spielen verletzt hatten.“ Dass die Kamille, die auf der Wiese rund um das Haus in Hartkirchen wuchs, gepflückt und getrocknet wurde, war eine Selbstverständlichkeit. Ebenso Minze und Holunder.
Das Geheimnis: „Kein Klostergeheimnis zu haben“. Für das Gespräch über ihr Tee-Leidenschaft hat Sr. Anna eine Kostprobe aus ihren Schätzen vorbereitet: eine Holunder-Johanneskraut-Minze Mischung. Wer sich ein „Sr. Annas Geheimrezept“ erhofft, wird aber enttäuscht. „Die Minze bringt Frische, das Johanneskraut ist stimmungsaufhellend und Holunder schmeckt gut.“ So einfach ist das. Auch ohne Geheimnis ist ihr Tee ein herrliches Getränk. Und wie viel unterschiedliche Sorten dieser Köstlichkeit sie zubereiten kann, zeigt ein Blick auf ihre Gläser, in denen sie fein säuberlich beschriftet die Kräuter aufbewahrt: Ringelblumen, Kamille, Melisse, Lindenblüten, Erdbeerblätter und vieles mehr.
Verbindung mit der Natur. „Die Arbeit mit den Kräutern bringt mich mit der Natur in Verbindung“, erklärt Sr. Anna, was ihr ihr Hobby bedeutet. Die gelernte Krankenpflegerin ist jetzt im Hauptberuf Sekretärin der Generaloberin im Mutterhaus der Marienschwestern in Linz und unterrichtet Gesundheits- und Krankenpflege in der ordenseigenen Schule in Erla (bei St. Valentin). Wenn sie die Blätter zum Trocknen auflegt, Kräuter abrebelt und in Gläser füllt – all das hilft ihr, mit der Schöpfung vertraut zu bleiben. Für die Ordensfrau haben die Kräuter auch mit Spiritualität zu tun. „In den Kräutern steckt etwas von Gottes Zuwendung zu uns Menschen, mit der heilenden und wohltuenden Wirkung der Pflanzen tut er uns Gutes. Weil Gott Mensch geworden ist, weiß er, was uns gut tut.“
Sammeln, nicht raffen. Der Tee schlägt für Sr. Anna aber nicht nur eine Brücke zu Gott, sondern auch zu ihren Mitmenschen. So teilt sie ihr Wissen mit ihren Schülerinnen und lernt auch von deren Beschäftigung mit der Thematik. Besonders verbindet sie die Natur mit ihren Mitschwestern. Mehrere sammeln für sie Kräuter und sorgen dafür, dass ihre Gläser nicht leer werden. „Doch auch auf das Gegenteil muss man achten“, betont Sr. Anna: Dass man nur jene Menge trocknet, die man innerhalb eines Jahres aufbrauchen kann. Nicht nur weil bei den meisten Pflanzen der Wirkstoff nach einem Jahr rapide sinkt – für sie hat das mit der Achtung vor der Schöpfung Gottes zu tun: „Gott schenkt uns Jahr für Jahr neu, was wir brauchen. Nur das zu nehmen, was man wirklich verwendet, und nicht einfach zu raffen, ist eine kleine Schule des Vertrauens und des Maßhaltens. Wir dürfen vertrauen, dass er uns im kommenden Jahr wieder zur Genüge gibt.“
Tradition. Tee hat bei den Marienschwestern Tradition. Vom selbst gemischten Frühstückstee über die verschiedenen Teesorten in Beuteln steht den Schwestern den ganzen Tag hindurch Tee zur Verfügung. Und dann kommt noch die Tee-Kompetenz hinzu, die die Schwestern in den drei Kneipp-Kurhäusern des Ordens in Jahrzehnten erworben haben. Heute finden die Kurgäste in jedem Haus eine Teebar, die 24 Stunden lang „geöffnet“ ist. Ob Teebar oder eine Schale Tee aus den eigenen Kräutern – die Philosophie, die dahintersteckt, ist die gleiche und gefällt Sr. Anna: Um das Leben zu pflegen, ist der Tee ein wahrer Heiltrank.