Man kann es einfach nicht verstehen. Warum können sich Israel und die Palästinenser nicht einigen? Die Welt würde aufatmen, könnte jede der beiden Seiten von Fixstandpunkten abgehen, sodass Raum für Versöhnung wäre. Jeder weiß: Die Zukunft liegt in der Versöhnung, nicht im Konflikt.
Die Kirche steht vor einer ähnlichen Herausforderung. Warum dieses Auseinanderdriften in Lager? Warum diese unversöhnten Standpunkte? Warum dieses Verdächtigen, Anschwärzen, die Verurteilungen, das Ausklammern? Von außen ist das nicht verstehbar. Und von innen gesehen ist es verkehrt. In gleicher Weise, wie man in politischen Konflikträumen den Willen zum Frieden erwartet und herbeisehnt, sollte man es auch in der Kirche erwarten dürfen: dass Einzementierungen aufgebrochen werden, dass der Vertrauensvorschuss die eingefahrenen Geleise der Verdächtigungen übertrifft, dass man offen ausspricht, was man auszusetzen hat. Vornehmen kann sich das eine jede Seite nur für sich selber. Das Wunder des Friedens hat man immer nur zur Hälfte in der eigenen Hand – die zweite Hälfte heißt Vertrauen. Das Wunder gelingt, wenn dies in gleicher Zeit auch die „andere“ Seite tut. Es wäre ein Segen – in der sehr ernsten Situation, in der die Diözese Linz jetzt steht.