Kopf der Woche: Dr. Johann Zoidl, Palliativstation St. Louise
Ausgabe: 2000/07, Kopf der Woche, Dr. Johann Zoidl, Palliativstation, St. Louise, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Arzt, Therapie, Kranke
11.02.2009
- Susanne Huber
Seit neun Jahren ist Johann Zoidl ärztlicher Leiter der Palliativstation im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Seine Arbeit mit schwerkranken Menschen erlebt der Arzt als besonders sinnstiftend und bereichernd.
„Als wir im Jahr 2000 begonnen haben auf Wunsch des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul eine Palliativstation im Krankenhaus einzurichten, hat es geheißen, das werde noch das Sterbekrankenhaus von Linz“, erinnert sich Johann Zoidl. „Heute ist es ein Markenzeichen, dass man sich um unheilbar kranke und sterbende Menschen besonders annimmt und kümmert“, sagt der in Ulrichsberg im Mühlviertel geborene Arzt.
Darauf einlassen. Die jahrelange Arbeit mit schwerkranken Menschen prägt. Johann Zoidl hat viel von seinen Patienten gelernt – vor allem über das Leben. Er ist zu der Erkenntnis gekommen, dass „das Gelingen des Lebens nicht von der Lebensdauer abhängen muss. Erfahrungen mit jungen Patienten, die sich in der letzten Phase ihres Lebens intensiv auf diesen oft sehr schwierigen Prozess eingelassen haben, zeigten, dass sie mit ihrem Leben versöhnt waren und es als gelungen bezeichnet haben“, so der 51-Jährige. „Je mehr die Medizin mit aktivem Tun zudeckt, desto mehr besteht die Gefahr, dass dadurch auch der Zugang zum Leben zugedeckt wird. Da sagen die Leute oft, jetzt mach’ ich noch die Therapie und wenn ich dann gesund bin, fange ich richtig zu leben an. Doch die Therapie führt nicht selten zum Lebensende hin. In der Palliativbetreuung ist es mir deshalb sehr wichtig, die Menschen dort hinzuführen, sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen.“ (siehe Thema)
Dr. Johann Zoidl: „Nach fast zehn Jahren im Krankenhaus muss ich sagen, ich habe einen der schönsten Arbeitsplätze, die man sich vorstellen kann. Meine Arbeit erlebe ich enorm sinnstiftend. Viele Palliativpatienten waren für mich Lehrer auf meinem Lebensweg. Ich habe hier eine Menge lernen dürfen über das Leben und die Vielfalt des Lebens.“