Ausgabe: 2009/07, Heilen, Schmerzen, Zoidl, Palliativstation St. Louise, Welttag der Kranken, Barmherzige Schwestern
11.02.2009
- Interview: Susanne Huber
Wenn die Diagnose „unheilbar“ lautet, bricht für viele Menschen eine Welt zusammen. Dr. Johann Zoidl und sein Team der Palliativstation im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz steht schwerkranken Patienten in ihrer letzten Lebensphase kompetent und einfühlsam zur Seite.
Wie reagieren die Menschen, wenn sie auf die Palliativstation kommen? J. Zoidl: Die meisten Patienten haben Angst, sagen es sei die letzte Station. Sie verbinden das natürlich stark mit dem Sterben. Mein Zugang ist dann, ihnen die Angst zu nehmen, ihnen klarzumachen, dass sie ja noch leben, es um ihr Leben geht, das jetzt einmal schwer ist und sie Unterstützung brauchen.
Wie sieht die Unterstützung aus? J. Zoidl: Da sind zum einen die körperlichen Symptome wie Schmerz, Übelkeit, Atemnot und die große Angst davor, an diesen Symp-tomen zu sterben. Die Patienten brauchen also erst einmal eine gute Schmerztherapie. Zum anderen gibt es psychosoziale und spirituelle Probleme, die am Lebensende um sich greifen und hier Platz finden. Es sind Ängste vorhanden, die wir versuchen den Patienten zu nehmen. Unterstützt werden bei uns auch Angehörige, die ja ebenfalls betroffen sind und mitleiden. Jetzt haben wir gerade drei Angehörige von Patienten mit aufgenommen und jeweils ein Zusatzbett in die Einzelzimmer gestellt. In einer offenen Atmosphäre mit respektvollem Umgang und Wahrung der Autonomie sollen die Patienten ihr Leben so anschauen dürfen, wie es war. Je nachdem, welche Probleme anstehen, finden Gespräche mit Ärzten, Pflegern, Psychologen oder Seelsorgern statt. Da geht es oft darum, Dinge anzusprechen, die in der Familie sonst nicht angesprochen werden.
Welche sind das beispielsweise? J. Zoidl: Dass in einem gemeinsamen Gespräch auch irgendwann einmal das Wort „Sterben“ in den Mund genommen werden kann. Dass man nicht immer nur sagen muss, es wird schon wieder und das darf nicht sein, sondern zu sagen, das Leben hat eine Begrenztheit und die Zeit ist knapp, die noch bleibt. Das ist oft nicht einfach.
Ist die Palliativstation getrennt von den anderen Abteilungen? J. Zoidl: Nein. Wir sind baulich ins Haus integriert und das ist mir sehr wichtig. Unsere Nachbarstation ist die Bettenabteilung der Strahlentherapie. Wir nehmen oft Kontakt auf zu Patienten in anderen Abteilungen, bei denen keine Therapie mehr möglich ist, sprechen mit ihnen, ihren Angehörigen und den bisher betreuenden Ärzten, um zu schauen, was getan oder nicht mehr getan werden kann. Hier heißt es dann einen Übergang zu schaffen vom kurativen Heilen zum palliativen Schmerzlindern. Durch die Zusammenarbeit und das Miteinander im Haus entsteht bei den Patienten nicht das Gefühl, dass sie abgeschoben oder irgendwo hingelegt werden, um dort zu sterben. Die Palliativstation bietet genau das, was Menschen in dieser Lebensphase brauchen und lässt für individuelle Bedürfnisse, die entstehen, Raum. (Siehe Kopf der Woche)
Im Blick
Welttag der Kranken
Der Welttag der Kranken (11. Februar) erinnert uns auch an jene Patienten, die unheilbar krank sind. In den österreichweit insgesamt 227 Hospiz- und Palliativstationen stehen vor allem die Bedürfnisse sterbender Menschen und deren Angehörige im Zentrum. Die Patienten werden medizinisch, psychologisch und seelsorgerisch betreut. So auch auf der Palliativstation St. Louise, die im Jahr 2000 an das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz angegliedert wurde – auf Wunsch des Ordens. Seither bemüht sich ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzten, Psychologen, Seelsorgern, Pflegern und Ehrenamtlichen darum, die Menschen auf der 10-Betten-Station würdevoll in ihrer letzten Phase des Lebens zu begleiten.